Elio Altare: Barolo Cannubi 2022 1,5 l
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 15,0% Vol.
- Trinkreife: 2027–2045
- voluminös & kräftig
- strukturiert
- seidig & aromatisch
- Lobenberg: 98/100
- Galloni: 94/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Elio Altare, Fraz. Annunziata, 51, 12064 La Morra (CN), ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Cannubi 2022
/100
Cannubi ist sicherlich die berühmteste und vielleicht auch die interessanteste Lage aus den sanften Piemonteser Gemeinden Barolo, La Morra und Novello. Die Lage ist das Herz der Gemeinde Barolo. Fast 100 Prozent weißer Lehm und doch nicht so maskulin wie die Weine aus Serralunga und Castiglione, sondern weicher, burgundischer, mehr zu den Weinen aus Monforte tendierend. Alte Reben in bester Lage. Es gibt nur noch zwei Parzellen, die hier Privatleuten gehören, der Rest ist in Weingutsbesitz. Die Lage ist auch durch Sandrone, Scavino und anderen Top-Winzern bekannt und gehört sicher zum Besten, was die feinere Seite des Barolo-Tals zu bieten hat. Dazu zählen wie gesagt La Morra, Novello und Barolo selbst, dem gegenüber stehen die maskulinen Castiglione und Serralunga. Monforte ist das Bindeglied. Cannubi gilt unter Insidern in diesem Bereich der Langhe als der absolute König, weil die rote Frucht, die Finesse und die Harmonie hier einfach unschlagbar sind. Die Lage ist in Südexposition und hat daher ein warmes Mikroklima. Die Nase ist erdiger und würziger als die des brillant präzisen Arborina. 2024 war der letzte Jahrgang mit dem alten Pachtvertrag und das Weingut musste darum bangen, die Lage möglicherweise zu verlieren. Das wäre nicht das erste Mal, denn wo Silvia Altare ihre Finger dran hatte, geht der Preis garantiert mit dem nächsten Vertrag in die Höhe. Die Pacht war bisher schon so unverschämt hoch, dass der Weinpreis die Kosten nicht komplett decken konnte, aber der Prestigegewinn und der Ansporn, Cannubi zu bewirtschaften, wogen für Silvia Altare schon Jahre lang schwerer als der finanzielle Aspekt. In der Woche vor meinem Besuch im Oktober 2024, um den Jahrgang 2021 zu verkosten, konnte Silvia den Pachtvertrag zum Glück für 10 weitere Jahre verlängern. Leider ging der Preis nochmals bedeutend hoch und sie zahlt nun beinahe das Fünffache! Silvia gesteht allerdings sie hätte diese Lage auf jeden Fall behalten, selbst wenn der Preis noch höher gewesen wäre. Das Prestige ist einfach so stark und daher muss nun auch das Weingut nachgeben und den alten Preis des Cannubi bedeutend anheben. Zart leuchtendes Rubinrot. Tiefe, imposante, »weinige« Nase mit dunkler, beinahe süßer Kirsche und Pflaume, etwas blondem Tabak, zarte Kräuter, auch etwas kühlende Minze, Leder, ein Hauch warme Curry-Würze, Veilchen und schwebendem weißen Pfeffer. Nach dem aromatisch im ersten Moment etwas verhaltenen Arborina verströmt dieser Cannubi seine herrlich opulenten und vielschichtigen Aromen in attraktiver und verschwenderischer Manier. Die Nase ist zudem schon ziemlich komplett in ihrer herrlichen Vielschichtigkeit. Aromatisch ist dieser Cannubi definitiv Silvias mächtigster und reifster Wein des Jahrgangs, der den Altare-Duft mit einem Megafon in die Welt zu brüllen scheint. Im Mund tritt er im ersten Moment mit viel Saftigkeit auf die Zunge. Doch gleich im nächsten Moment kommt diese monumentale Struktur – der Cannubi hat im Vergleich zu Silvias anderen Weinen mindestens dreimal so viel Tannin, das griffig und fein sandig strukturiert die Zunge auskleidet. Es fühlt sich an als würde die reife rote Frucht auf kleinen Stelzen über die Zunge getragen. Dieser Wein ist dabei kompakt definiert und athletisch mit erstaunlicher, geradliniger und klarer Frische. Im Mund ist nichts süß oder gar überreif, sondern wir haben hier trotz des mächtigen Schubs dieses Barolo eher kühle Aromen. Trotz der immensen Power und Konzentration des Jahrgangs, läuft dieser Cannubi eher auf dem roten Fruchtspektrum. Wie bei allen Altare Weinen würde man allein vom Fruchtprofil her niemals auf einen heißen Jahrgang schließen. Der zusammen mit Sandrones Aleste allerbeste Wein aus der Gemeinde Barolo? Imposanter Stoff!
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
/100
Galloni über: Barolo Cannubi
The 2022 Barolo Cannubi shows the pedigree of this great site. Deep, layered and sumptuous in the glass, the Cannubi offers terrific textural richness and resonance, with fine energy and delineation to match. Dark red/purplish fruit, lavender, espresso and cloves build effortlessly through the mid-palate and into the voluptuous, silky finish.
Elio Altare
Elio Altare ist das Vorbild für die Erneuerung und die Moderne des Piemonteser Weinbaus. Alle führenden Winzer der Moderne haben von der Weinbergsarbeit bis hin zum Ausbau im Barrique von ihm gelernt.