Lobenberg: Der Wein stammt aus einem 0,6 Hektar großen Teilstück mit 140 Jahre alten, wurzelechten Reben im Kernstück der Wehlener Sonnenuhr. Zacharias Bergweiler hat die älteste Tocher von Joh. Jos. Prüm geheiratet und dadurch ein Sechstel der Prüm’schen Weinberge erhalten. Nach deren Tod, heiratete er ihre jüngere Schwester und bekam ein weiteres Sechstel. Das ist Ernie Loosens weingewordene Zeitreise in die goldene Ära des deutschen Weines um das ausgehende 19., beginnende 20. Jahrhundert. Sowohl im Weinberg als auch im Keller wird exakt so gearbeitet wie damals. Das heißt vom Rebschnitt, dem Anbinden mit Weiden statt Drähten, der Lese in kleine Zuber, alles ist wie vor 100 Jahren. Ebenso auf einer uralten Korbkelter gepresst, das ist eine wahnsinnige Arbeit laut Loosen. Auf viel mehr Manpower ausgelegt damals, als es noch genug Arbeiter gab und sie nichts gekostet haben im Verhältnis. Heute, sagt Loosen, könnte man so fast nicht mehr arbeiten. Er erlaubt sich diesen kostspieligen Spielerei auf den 0,6 Hektar, aus eigener Neugierde, um selbst herauszufinden, was die Weine dieser Zeit so teuer und wertvoll gemacht hat, immerhin waren sie die teuersten der Welt. Er keltert aus diesen Parzellen ein quasi-»GG«, ein klassisches Kabinett und eine Auslese. Alle Weine – sowohl der trockene und die restsüßen – bleiben zwei Jahre auf der Vollhefe im Fuder, völlig unberührt, nur einmal abgeschwefelt und dann gefüllt. Feinste Lakritznoten, eingemachte Quitten, grüne Papaya. Auch der Mund ist so filigran, zart, tänzelnd. Es kommt viel Curryblatt dazu, gelber Pfirsich, aber alles ganz gedeckt, ganz feinziseliert. Das ist ein atemberaubend guter Stoff und zählt mit diesem langen Hefelager zu den spannendsten Kabinetten von der Mosel, die ich probiert habe. Durch den sehr niedrigen Restzucker deutlich unter 30 Gramm, also rund die Hälfte wie heute oft üblich, hat dieser Stoff einen wahnsinnigen Trinkfluss. Saftiger Zug, dann zieht warmer Sandstein nach, Safran. Eine mehr als faszinierendes Kabinett, weil es einerseits so trinkig ist mit dem niedrigen Restzucker, andererseits diese abgefahrene Würze und diesen Oldschool-Charakter hat, die den Wein völlig unvergleichlich macht.