Über einen Zufall kam Christian Hermann zu einer Parzelle in der berühmten Sonnenuhr. Erst 2020 gab es hier die ersten Weine unter seinem Label. 2020 war es ein Kabi, 2021 auch mal eine Spätlese und 2024 ist es natürlich ein Kabi aus diesem Weltklasse-Kabinett-Jahr. Die Parzelle liegt in der vierten Etage, recht weit oben, das ist an diesem Teilstück schon die oberste Etage direkt am Waldrand, laut dem alten Manfred Prüm mit das beste in dieser Lage. Die weiteren Parzellen, die Christian mittlerweile hat, liegen bei der Brücke etwas mittiger im Hang. Die Kabinette des Jahres 2024 sind sooo genial, zugänglich, duftig, voller Spannung und Spiel, dabei nahe der Perfektion in Sachen Balance. Wir haben 45 Gramm Restzucker und rund 9.5 Gramm Säure. Bei moderater Reife gelesen, aber mit so irre viel Punch und Kraft aus den hohen Extrakten. Die Sonnenuhr hat diese schöne Sponti-Nase, ein bisschen Prüm-Charakter, weißer Pfirsich, weißer Pfeffer, weiße Blüten. Ganz zart und hochfein, weniger wuchtig als 2023, noch eleganter und geschliffener. Die 2024er haben etwas mehr Zug, Vibration, kühle Spannung. Superbe Balance! Die Weine schmecken unmittelbar supergut, haben aber alle Anlagen ewig zu reifen. 95-96/100
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!