Dr. Hermann: Pinot Noir Kinheimer Rosenberg R 2023

Dr. Hermann: Pinot Noir Kinheimer Rosenberg R 2023

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2038
saftig
tanninreich
strukturiert
Lobenberg: 95–96+/100
Parker: 96/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Kinheimer Rosenberg R 2023

95–96+
/100

30 Jahre alte Reben auf purem Schiefer im Kinheimer Rosenberg. Ein Pinot Noir vom Rotschiefer, was sehr selten ist. Spontane Vergärung mit 30 Prozent Rappenanteil, dann Ausbau in französischen Barriques, rund 50 Prozent Neuholzanteil. Das ist eine teure Nase! Der Wein duftet wie ein großer Burgunder, irgendwo Richtung Gevrey und Marsannay, also nördliche Côte de Nuits. Diese kühle, steinige Spannung von den Mosel-Spätburgundern findet man im Burgund höchstens noch im Norden und in den Hautes-Côtes. Sehr edles Holz, ganz fein austarierte Tannine, alles greift nahtlos ineinander. 2022 war ein traumhaftes Jahr für deutschen Spätburgunder, satt reif, toll balanciert und mit wollüstiger, fast cremiger Struktur. Der Wein hat eine wahnsinnige Spannung, diese nordisch-kühle Art der Mosel, Vulkangestein, Graphit, Bleistiftabrieb, dann kommt süße, reiche Kirsche, zerdrückte Kirschkerne, etwas Marzipan. Straffe, kühle, feste Struktur, aber sooo fein und cremig. Ich liebe solche Pinots, die mehr auf reduktive Spannung gehen und weg von dieser überreifen, oxidativen Moselnummer, die hier sonst viele fahren. Wenn Christian Hermann so weitermacht in Rot wird er noch für viel Furore damit sorgen.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

96
/100

Parker über: Pinot Noir Kinheimer Rosenberg R

At harvest time and in the weeks and months that followed, the 2023 Pinot Noir Kinheimer Rosenberg –R– was Christian Hermann's problem child. 'The grape harvest was laborious. And after the late rains, there was a strong smell of vinegar everywhere, so we had to be very meticulous in our selection,' says the winemaker. He was surprised at how well the wine developed in the barrel and in the bottle. Today, the 2023 Rosenberg Pinot—a VDP Grosses Gewächs or GG starting with the 2024 vintage—opens with a deep yet bright, fresh, intense, floral and beautifully toasty-scented bouquet of sweet cherries, raspberry confit, broken slate, tobacco and rose petals. Silky, intense and seriously structured on the palate, this is a full-bodied, very elegant yet concentrated, velvety-textured and stimulatingly saline Pinot with finely grained tannins and a very long and aromatic finish that is carried by fine, crystalline slate acidity. This Pinot from then 32-year-old vines is from a top, very steep cru above the Mosel that benefits from permanent wind and abundant sunshine. It was aged in 50% new and 50% one- to two-year-old pièces from top producers in the Côte d'Or. 900 bottles made. 13.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine in January 2026.

Mein Winzer

Dr. Hermann

Das Weingut Dr. Hermann in Erden entstand 1967 aus der Erbteilung des Erzeugers Joh. Jos. Christoffel Erben in Ürzig. Der Mediziner Dr. Christian Hermann, gründete damals sein eigenes Weingut. Heute leitet Christian Hermann, der Enkel des Gründers, den Betrieb. Dank ihm, gilt das Weingut als einer...

Pinot Noir Kinheimer Rosenberg R 2023