30 Jahre alte Reben auf purem Schiefer im Kinheimer Rosenberg. Ein Pinot Noir vom Rotschiefer, was sehr selten ist. Spontane Vergärung mit 30 Prozent Rappenanteil, dann Ausbau in französischen Barriques, rund 50 Prozent Neuholzanteil. Das ist eine teure Nase! Der Wein duftet wie ein großer Burgunder, irgendwo Richtung Gevrey und Marsannay, also nördliche Côte de Nuits. Diese kühle, steinige Spannung von den Mosel-Spätburgundern findet man im Burgund höchstens noch im Norden und in den Hautes-Côtes. Sehr edles Holz, ganz fein austarierte Tannine, alles greift nahtlos ineinander. Der Rosenberg 2023 ist wunderbar kühl und geschliffen. Der Wein hat eine wahnsinnige Spannung, diese nordisch-kühle Art der Mosel. 2023 ist noch etwas eleganter als das kraftvolle 2022, geht geschmeidiger und feiner über den Gaumen. Seidige Kirschfrucht mit dunkelroten Waldbeeren, dann auch kleine, getrocknete Blaubeeren mit ihrer saftigen Säurefrische, etwas Schlehe. Das ist ein köstlicher Stil, weil er reif und seidig ist, aber eben immer dieses energetische, salzige Spiel der Mosel behält. Tief und leichtfüßig zugleich. Ich liebe solche Pinots, die mehr auf reduktive Spannung gehen und weg von dieser überreifen, oxidativen Moselnummer, die hier sonst viele fahren. Wenn Christian Hermann so weitermacht in Rot wird er noch für viel Furore damit sorgen.