Dominio del Challao – Manuel Michelini: Garnacha del Challao 2022

Dominio del Challao – Manuel Michelini: Garnacha del Challao 2022

Garnacha 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2044
saftig
tanninreich
fruchtbetont
Lobenberg: 97/100
Parker: 94/100
Suckling: 94/100
Spanien, Rioja, Rioja Alavesa
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Garnacha del Challao 2022

97
/100

Rioja ist ohne Frage die berühmteste Weinregion Spaniens, dabei ist die Region trotzdem alles andere als homogen. Die drei Unterregionen – Rioja Alavesa, Rioja Oriental und Rioja Alta – unterscheiden sich enorm. Dieser Wein kommt aus dem kleinen Weiler Labastida im Nordwesten der Rioja Alavesa, der kleinsten und nördlichsten Unterregion, die sich im spanischen Baskenland befindet und durch kalkreiche Ton- und Sandböden geprägt ist. Der Mastermind hinter dem Weingut Dominio del Challao ist Manu Michelini, dessen Familie unter dem Namen Michelini i Mufatto sowohl in ihrem Weingut im Bierzo, im Nordosten Spaniens, als auch dem argentinischen Weingut in Mendoza unglaublich feine, terroir-getriebene Weine macht. Diese Garnacha spielt in derselben Liga mit den fabelhaften Garnacha von Comando G, aus den Höhenlagen in der Nähe Madrids. Der Weinberg liegt unterhalb des Mount Toloño, in dem Tal, das sich im Zentrum von Labastida befindet. Hier ist der Boden extrem kalkhaltig. Dieser Wein ist ein puristisches Meisterwerk und der Bote der wunderbar genialen Mineralität. Zartes Himbeerrot im Glas mit dicken, ungefärbten Kirchenfenstern am Glasrand. Saftig reife Erdbeeren und Himbeeren schweben der Nase entgegen, auch mazerierte Waldbeeren, Hagebutte, Cranberry und etwas Potpourri. Schon an der Nase ist dieser duftige Rioja zum Reinlegen schön, ich mag mein Glas gar nicht wieder abstellen. Im Mund schafft er den Spannungsbogen von reifer roter Kirschfrucht und Sauerkirschkompott über Cranberry und Granatapfel. Phänomenal frisch, mit feinen, harmonischen Tanninen. Dann, erst nach dem Schlucken, kommt diese grandiose Würze hervor. Lorbeerblatt, weißer Pfeffer, etwas Koriander. Die zart rauchige, an Granit erinnernde Mineralität ist mega beeindruckend und sie wird mit mehr Zeit im Glas immer intensiver, immer monumentaler. In einer Blindprobe wäre das eine Grenache aus Höhenlagen oder vielleicht sogar ein Cool-Climate Pinot Noir?! Das ist das spannende, neuentdeckte Rioja und zugleich Trinkfreude pur. Definitiv auch ein Wein, den man ein paar Jahre im Keller vergessen kann, denn er hat trotz all seiner Frische und Finesse die Balance und Struktur für ein langes Leben.

Jahrgangsbericht

Da ich als zuständiger Weinscout inzwischen einen Teil meiner Jahreszeit in Spanien verbringe, bin ich über Wetter und Klima vor Ort permanent gut im Bilde. Trockenheit, Hitze, wenige guten Regenfälle vor allem in den ersten 4 Monaten. Weil es im Winter wie auch im März April satt Regen gab, war die Basis für den trockenen Sommer perfekt. Und Wärme gab es auch zum Austrieb und auch zur Blüte, sich wie ein roter Faden bis zur Ernte ziehend. Dazu erstaunlich kühle Nächte im Mai, Juni, Juli und August, aber ein eher warmer trockener Spätsommer und Herbst. Die Story der großen Trockenheit wurde mir von jedem Winzer immer wieder erzählt. Und diese Story ist oft baugleich zu Bordeaux, das ja oft die gleiche Wetter- und Klimageschichte wie alle mittleren und östlichen Nordregionen Spaniens über das Jahr hat. Selbst die atlantischen frühen September-Unwetter und Regenmengen in Bordeaux und der Rioja bleiben seit dem Klimawandel oft aus, fast immer kann jetzt im September und Oktober in Ruhe bis zum optimalen Erntezeitpunkt gewartet werden. Die Ernte wurde nach etwas glücklichem kleinen Regen im Juli und August somit teilweise über 6-8 Wochen gestreckt. Die absolute Besonderheit in 2022 war aber auch in Spanien der kontinuierliche Verlauf der Trockenheit und Hitze und die relativ kühlen Nächte über das sommerliche Weinjahr. Die Reben waren 2022 perfekt assimiliert an das Klima. Trotz der Hitze war nichts gekocht, die Laubarbeit und Bodenbearbeitung der Winzer war dem Klima über die Jahre perfekt angepasst, eine perfekte Anpassung der Reben fand statt, war ganz anders als im von plötzlichen Hitzewellen dominierten Schock-Jahr 2003 mit schlecht präparierten Winzern und Weinbergen. Und auch 2022 gibt es, wider Erwarten von uns Laien, trotz oft hoher Alkoholgradationen eine erstaunliche Frische in den Weinen. Tiefe PH-Werte sind die Regel, die Biodynamiker sprechen von den tiefsten je gemessenen Werten. In Zusammenhang mit oft hohen Tanninlevel, hoher Reife, satter samtig seidiger Frucht, hohem Alkohol und zugleich famoser Säure, sprechen viele Winzer vom besten Jahr ihrer Geschichte (Oxer, Artadi und Cuentavinas), und das von der Rioja bis Ribera, vom Priorat bis Bierzo. ALLE Regler nach rechts! Und es gibt 2022 eine grandiose Harmonie und Balance und sensationelle Finesse und Feinheit. Wie in Bordeaux. Nach meiner Verkostung kann ich das durchaus in vielen Fällen bestätigen, obwohl es auch 2021 hochinteressante, oft sogar aufregendere und energiegeladenere Weine und oft sogar präzisere Weine gab. Für mich selbst war, von Einzelfällen abgesehen, 2021 und 2022 bei absolut verschiedenem Charakter eher auf gleicher Höhe, manchmal sogar mit leichtem Vorteil bei 2021. Wer z.B. 2022 bei so viel Feinheit zu viel neues Holz einsetzte oder die Weine zu lange im Holz ließ, konnte die Weine mit ihrer samtigen Seidigkeit auch mal zu »nett«, zu holzlastig und auch manchmal etwas belanglos ausfallen lassen. 2021 hatte klar mehr Druck und Wucht, um neues Holz wegzudrücken. Und wie in Bordeaux gilt auch in Spanien: Die besten Terroirs und alten Reben waren 2022 dramatisch im Vorteil und die Biodynamiker hatten »das Jahr der Jahre«.

94
/100

Parker über: Garnacha del Challao

The 2022 Challao Garnacha was produced with the grapes from a single vineyard planted in 1989 on silty on limestone soils, fermented in concrete with indigenous yeasts and matured in 2,000-liter oak foudres for 20 months. It has a bright ruby color and a subtle nose with controlled ripeness and surprisingly low alcohol, only 12%, and a low pH of 3.19. He harvested earlier than in past vintages (he used to pick it into November!), and the wine is balanced and fine-boned, with very fine, chalky tannins and a textured mouthfeel. It's elegant and tasty, clean and expressive, with perhaps a volatile whiff that lifts it up. 3,200 bottles, 25 magnums and 10 double magnums produced.

94
/100

Suckling über: Garnacha del Challao

Raspberries, dried herbs and pepper on the nose. The palate is delineated, with chalky tannins, a vibrant profile and focused tannins. The finish is tight, with austere charm. Drink now.

Mein Winzer

Dominio del Challao – Manuel Michelini

Dominio de Challao ist der Inbegriff eines modernen, eleganten und finessenreichen Rioja-Produzenten. Der Mastermind hinter dem Weingut ist Manu Michelini vom argentinischen Familienprojekt Michelini i Mufatto.

Garnacha del Challao 2022