Dominio del Challao – Manuel Michelini: Angelita del Challao 2022

Dominio del Challao – Manuel Michelini: Angelita del Challao 2022

Tempranillo 85%, Garnacha 10%, Garnacha Blanca, Graciano, Malvasia, Viura
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2037
tanninreich
strukturiert
saftig
Lobenberg: 95/100
Parker: 93/100
Galloni: 93/100
Spanien, Rioja
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Angelita del Challao 2022

95
/100

Rioja ist ohne Frage die berühmteste Weinregion Spaniens, dabei ist die Region trotzdem alles andere als homogen. Die drei Unterregionen – Rioja Alavesa, Rioja Oriental und Rioja Alta – unterscheiden sich enorm. Dieser Wein kommt aus dem kleinen Weiler Labastida im Nordwesten der Rioja Alavesa, der kleinsten und nördlichsten Unterregion, die sich im spanischen Baskenland befindet und durch kalkreiche Ton- und Sandböden geprägt ist. Der Mastermind hinter dem Weingut Dominio del Challao ist Manu Michelini, dessen Familie unter dem Namen Michelini i Mufatto sowohl in ihrem Weingut im Bierzo, im Nordosten Spaniens, als auch dem argentinischen Weingut in Mendoza unglaublich feine, terroir-getriebene Weine macht. Der Angelita ist ein Blend aus Trauben verschiedener Cru-Lagen der Ortschaft Labastida, dabei spielt die Tempranillo die erste Geige, aber neun weitere Rebsorten sind ebenso im Blend. Mittleres Rubinrot im Glas mit einem Hauch Violett. Schon an der Nase ist der Angelita erfrischend puristisch. Obwohl er 20 Monate im Holzfass ausgebaut wurde, kommt ein langer, würziger Ausbau in Eichenfässern nicht mal entfernt in den Sinn! Dieser Rioja ist ein Wein der Frische und Moderne – eine Überraschung für die Sinne, weil er die Erwartung an Rioja komplett aus dem Fenster wirft, ohne dabei an Anspruch zu verlieren. Sauerkirsche, Cranberry, dunkle Waldbeeren und saftige Schwarzkirsche mit einem Hauch grünem Tabak und einer kalkig-salzigen Mineralität steigen aus dem Glas. Im Mund spielt die saftige Beeren- und Kirschfrucht mit Veilchen und etwas Milchschokolade, dabei liegt der Fokus auf dieser grandiosen, salzigen, zart rauchigen, kalkhaltigen Mineralität. Der Wein ist knochentrocken und doch nicht hart. Ein Präzisionsteil mit Klasse, das die karge Landschaft der Lage direkt ins Glas katapultiert. Die Tannine sind fein strukturiert und tragen zur dezenten Haptik bei, dabei hat der Wein zugleich eine beispiellose Frische. Er vibriert, animiert und macht Freude. Nichts ist schwer, nichts ist anstrengend. Ein schwebender Rioja, eher was für Pinot Trinker als Blockbuster-Liebhaber.

Jahrgangsbericht

Da ich als zuständiger Weinscout inzwischen einen Teil meiner Jahreszeit in Spanien verbringe, bin ich über Wetter und Klima vor Ort permanent gut im Bilde. Trockenheit, Hitze, wenige guten Regenfälle vor allem in den ersten 4 Monaten. Weil es im Winter wie auch im März April satt Regen gab, war die Basis für den trockenen Sommer perfekt. Und Wärme gab es auch zum Austrieb und auch zur Blüte, sich wie ein roter Faden bis zur Ernte ziehend. Dazu erstaunlich kühle Nächte im Mai, Juni, Juli und August, aber ein eher warmer trockener Spätsommer und Herbst. Die Story der großen Trockenheit wurde mir von jedem Winzer immer wieder erzählt. Und diese Story ist oft baugleich zu Bordeaux, das ja oft die gleiche Wetter- und Klimageschichte wie alle mittleren und östlichen Nordregionen Spaniens über das Jahr hat. Selbst die atlantischen frühen September-Unwetter und Regenmengen in Bordeaux und der Rioja bleiben seit dem Klimawandel oft aus, fast immer kann jetzt im September und Oktober in Ruhe bis zum optimalen Erntezeitpunkt gewartet werden. Die Ernte wurde nach etwas glücklichem kleinen Regen im Juli und August somit teilweise über 6-8 Wochen gestreckt. Die absolute Besonderheit in 2022 war aber auch in Spanien der kontinuierliche Verlauf der Trockenheit und Hitze und die relativ kühlen Nächte über das sommerliche Weinjahr. Die Reben waren 2022 perfekt assimiliert an das Klima. Trotz der Hitze war nichts gekocht, die Laubarbeit und Bodenbearbeitung der Winzer war dem Klima über die Jahre perfekt angepasst, eine perfekte Anpassung der Reben fand statt, war ganz anders als im von plötzlichen Hitzewellen dominierten Schock-Jahr 2003 mit schlecht präparierten Winzern und Weinbergen. Und auch 2022 gibt es, wider Erwarten von uns Laien, trotz oft hoher Alkoholgradationen eine erstaunliche Frische in den Weinen. Tiefe PH-Werte sind die Regel, die Biodynamiker sprechen von den tiefsten je gemessenen Werten. In Zusammenhang mit oft hohen Tanninlevel, hoher Reife, satter samtig seidiger Frucht, hohem Alkohol und zugleich famoser Säure, sprechen viele Winzer vom besten Jahr ihrer Geschichte (Oxer, Artadi und Cuentavinas), und das von der Rioja bis Ribera, vom Priorat bis Bierzo. ALLE Regler nach rechts! Und es gibt 2022 eine grandiose Harmonie und Balance und sensationelle Finesse und Feinheit. Wie in Bordeaux. Nach meiner Verkostung kann ich das durchaus in vielen Fällen bestätigen, obwohl es auch 2021 hochinteressante, oft sogar aufregendere und energiegeladenere Weine und oft sogar präzisere Weine gab. Für mich selbst war, von Einzelfällen abgesehen, 2021 und 2022 bei absolut verschiedenem Charakter eher auf gleicher Höhe, manchmal sogar mit leichtem Vorteil bei 2021. Wer z.B. 2022 bei so viel Feinheit zu viel neues Holz einsetzte oder die Weine zu lange im Holz ließ, konnte die Weine mit ihrer samtigen Seidigkeit auch mal zu »nett«, zu holzlastig und auch manchmal etwas belanglos ausfallen lassen. 2021 hatte klar mehr Druck und Wucht, um neues Holz wegzudrücken. Und wie in Bordeaux gilt auch in Spanien: Die besten Terroirs und alten Reben waren 2022 dramatisch im Vorteil und die Biodynamiker hatten »das Jahr der Jahre«.

93
/100

Parker über: Angelita del Challao

The 2022 Angelita del Challao is now selected from the higher parts, the coolest and richest in limestone, from a number of vineyards in the village of Labastida, and it's approximately 80% Tempranillo and the rest a mélange of Garnacha, Mazuelo, Viura, Garnacha Blanca and other varieties. It fermented in concrete with indigenous yeasts and matured in a combination of 500-liter oak barrels and 2,000-liter oak foudres for 20 months followed by another 10 months in concrete. It has 13.5% alcohol, a pH of 3.5 and finishes bone dry, with a chalky sensation from the tannins that have some grip. This has some notes of orange peel and black fruit, licorice and some earthiness, notes of dry hay and straw, and it's quite open, perhaps more oxidative than its siblings. It has complexity and depth, with good tension. 12,582 bottles, 50 magnums and 10 double magnums produced. It was bottled in December 2024.,,

93
/100

Galloni über: Angelita del Challao

The 2022 Dominio del Challao Angelita is a blend of 75% Tempranillo, 20% Garnacha, Graciano and Mazuelo and 5% white grapes from high-altitude sites in Labastida. This fermented with 10% stems and aged in foudres and 500-liter barrels for two years. It's expressive and reductive on the nose with aromas of pink grapefruit, violet and forest floor. On the palate, it's chalky, juicy and tense, with layered flavor. This is a lean, high-impact wine.

Mein Winzer

Dominio del Challao – Manuel Michelini

Dominio de Challao ist der Inbegriff eines modernen, eleganten und finessenreichen Rioja-Produzenten. Der Mastermind hinter dem Weingut ist Manu Michelini vom argentinischen Familienprojekt Michelini i Mufatto.

Angelita del Challao 2022