Domäne Serrig – Markus Molitor: Riesling Vogelsang Kabinett 2022

Domäne Serrig – Markus Molitor: Riesling Vogelsang Kabinett 2022

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, süß
9,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2067
frische Säure
fruchtbetont
mineralisch
Lobenberg: 97+/100
Parker: 95+/100
Suckling: 96/100
Decanter: 95/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Vogelsang Kabinett 2022

97+
/100

Domäne Serrig, das sind knapp 25 Hektar an einem Stück, reine Monopollage von Markus Molitor seit 2016. Überwiegend blauer und grauer Schiefer, ein spektakulärer Hang, sehr steil, stellenweise extrem karg, am Hangauslauf auch etwas tiefgründiger. Im Jahr 1904 durch Kaiser Wilhelm II als Privat-Domäne als Hommage an die großen Saar-Weine der Jahrhundertwende errichtet. Heute unter Molitor mit 100 Prozent Riesling bestockt und es gibt nur zwei Weine: Vogelsang Kabinett und Vogelsang Große Lage trocken. Rund 5 Hektar sind alter Rebbestand von 1993, die restlichen 20 Hektar sind von Molitor selbst angelegt. Top-Genetik aus Selection Massale von alten, wurzelechten Stöcken von Markus selbst und ein, zwei befreundeten Kollegen. Komplett im 3000 Liter Stockinger vergoren und ausgebaut. Schon von der Nase wird man an die Saar davon getragen. Da 2022 so heiß und trocken war – quasi die Antithese zu 2021 – ist das Vogelsang Kabinett überwiegend aus den ältesten Rebstöcken entstanden. Die jungen, von Molitor selbst gepflanzten Reben wurden stark ausgedünnt, um sie zu schonen. Entsprechend ist dieser Wein sehr subtil und zugleich profund, er zeigt die Eleganz und Ruhe der alten Reben. Nicht so krachend und aufbrausend wie 2021, sondern etwas feiner und ruhiger. Der Wein startet reduktiv und steinig, sehr straff und für den Jahrgang äußerst feingliedrig, das kann die Saar dann eben auch in heißen Jahren mehr als die Mittelmosel. Mit Luft wird er exotischer und etwas wärmer, dann kommt feinste Mango, Ananas, Orangenschale zum dunklen Feuerstein. Der Wein bleibt kompakt und rassig am Gaumen, hat aber mehr Schmelz und Power als 2021. Die Süße spielt wie immer nur eine Nebenrolle in diesem mineralischen Ensemble, dass sich da im Mund abspielt. Kein anderer Winzer an Mosel und Saar vermag es, so viel innere Kraft in einen so filigranen Wein zu verpacken. Bei Molitor haben wir immer ein bisschen mehr die wärmenden Hände im Rücken, eine zusätzliche Kraft und Tiefe in den Weinen, die ihn einfach anders macht als andere Mosel-Winzer – gerade in 2022. Für die Kategorie Kabinett schlicht Weltklasse von der Saar.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

95+
/100

Parker über: Riesling Vogelsang Kabinett

Markus Molitor's Saar Domäne Serrig 2022 Kabinett Vogelsang is remarkably pure, saline and intense on the nose, intermingling lush pineapple and tropical stone fruit aromas with notes of crystalline rocks, lemon oil and sea salt. It is certainly much more reductive than wines not coming from the Mosel and not being bottled with residual sugar. 2022 was an extremely warm and dry vintage, so Molitor's team in Serrig had to reduce yields dramatically in order to rescue the predominantly young vines. However, the nose doesn't show any hints of stress. This is a pure, fresh and savory as well as intense and slightly flinty-flavored Riesling from weathered slate, and it shows an iron-like twist with candied lemon notes and brown sugar on the nose. Lush yet crystalline and refined, this is an intense and very elegant yet weightless Kabinett whose richness is uplifted by a saline acidity and gorgeous finesse. This is a featherlight yet perfectly ripe, quite complex, immediately mouthwatering and aromatic Kabinett with sweet pineapple aromas, fine grip and, initially, the sharpness of a slate plate that becomes rounder with aeration. The Kabinett Prädikat is not interpreted as particularly light in terms of bright and airy Riesling here but instead a serious vin de terroir in the typical Saar style: light, crystalline, precise and saline but also hedonistic without being all too rich. This is a highly stimulating 2022 Kabinett with full ripeness, good concentration and a long, intense and aromatic finish with fine grip and mouthwatering salinity. It's a great, filigreed yet intense Kabinett in the style of a Kabinett that used to be, in the Rheingau of the early 20th century, the best wine of the vintage. 9.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted in July 2025.,,

96
/100

Suckling über: Riesling Vogelsang Kabinett

Staggeringly youthful for a wine from such a hot and dry year. But that’s what makes the Saar so special. Wonderful combination of ripeness and delicacy, with peaches and spring blossoms on the nose. What makes the barely medium-bodied palate so remarkable is the way the succulence flips to mouthwatering freshness in the stunningly vibrant finish. Only 9.5% alcohol. Drink or hold.,,

95
/100

Decanter über: Riesling Vogelsang Kabinett

Stony petrol kerosine on the nose, flint, slate and lemon. Unmistakable German Riesling. A dollop of sweet peach and nectarine fruit with a deep core of almost fleshy and racy acidity - the two giving a push-pull but giving an overall excellent and delicious expression. Totally enjoyable with mouthwatering acidity alongside flavours of crisp and baked apples, slate saltiness and a touch of exotic yellow fruit. An amazing wine that will be widely adored. The third vintage of this wine by Markus Molitor from the estate purchased in 2016.,

Mein Winzer

Domäne Serrig – Markus Molitor

Domäne Serrig – das Erbe einer wiedererweckten Legende. 1904 als prunkvollestes Aushängeschild der goldenen Ära der Saarweine von Kaiser Wilhelm II. erbaut, erstrahlt die Kult-Domäne nun in den Händen des Universalgenies Markus Molitor in altem Glanz.

Riesling Vogelsang Kabinett 2022