David Moret arbeitet nur mit Schwerkraft, kein Pumpen, alles geht direkt ins Fass. Im Sommer wird dann vom Fass in Inox umgezogen vor der Abfüllung im Winter nach einem Jahr Ausbau. Auch die Abfüllung erfolgt ohne pumpen. Alle 1ers Crus bekommen rund 30 Prozent neues Holz. Das ist ganz typisch. Zuerst kommt das leichte Toasting des Holzes. Aber was man riecht ist vor allem die Lage. Charmes ist immer runder, kräftiger, er verträgt auch viel neues Holz, hat immer viel Üppigkeit und saftig-hedonistische gelbe Frucht. Charmes ist einfach sofort präsent, hat viel von allem. Viel Birne, Banane, Hefezopf und ein Hauch Ananas und sehr viel geröstete Nuss-Nougat darunter. Feine Rauchigkeit, schon so als Eigenheit. Am Gaumen ist der Wein rund und kraftvoll, aber nicht übermäßig cremig, es ist deutlich feiner als die Nase vermuten lässt. Sehr präzise, sehr geradlinig und doch mit gewaltigem Schub. Ein mineralischer, frischer Powerwein ohne Schwere. Wunderbar! Das ist eine spur intensiver als Pierre Moreys Charmes, dafür nicht so filigran. Es ist eine Stilfrage. Wer mehr Druck am Gaumen haben will, greift zu diesem Wein, wer etwas mehr Leichtigkeit wünscht, kauft Anne Moreys Charmes. 95-96/100
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.