Valade: Chateau Valade Grand Cru 2022

Chateau Valade Grand Cru 2022

Holzkiste

Zum Winzer

Merlot 95%, Cabernet Franc 5%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2048
Verpackt in: 6er OHK
seidig & aromatisch
pikant & würzig
saftig
Lobenberg: 95+/100
Gerstl: 19/20
Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Valade Grand Cru 2022

95+
/100

In 2022 mit 95 Prozent Merlot und fünf Prozent Cabernet Franc. 14,5 Volumenprozent Alkohol. Dichte, reife, samtige Veilchen-Lakritz-Maulbeernase mit schwarzer Kirsche. Erstaunlich poliert und geschliffen das Ganze – sehr schick! Im Mund kommen Schlehe und hochintensive Sauerkirsche, dazu auch Himbeere. Ziemlich viel Grip, etwas trockene Tanninmassen, die aber poliert sind. Ein sehr harmonischer, balanciert Wein. Der Alkohol kommt nicht brandig rüber, sondern ist sehr gut integriert. Ein erstaunlich dichter Wein. Erst langsam schälen sich feine florale Elemente heraus, die rote Frucht kommt besser durch. Insgesamt ein ziemlich archetypischer Saint-Émilion. Gute Harmonie – und vor allen Dingen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis! *** Diese Domaine wurde erst 2007 von Cédric Valade aus Castillon gegründet, der auf Château Brisson geboren und großgeworden ist. Valade ist in Konversion zu Bio. Hier findet man ein perfektes Kalkstein Terroir von nur fünf Hektar, direkt vis-à-vis von Tour Saint Christophe, der auf gleichem Terroir inzwischen einen Kultstatus erreicht hat – zurecht, wie ich glaube. Die Reben sind im Durchschnitt an die 50 Jahre alt, reichen aber defacto von 25 bis 80 Jahre. Die Weine werden aus komplett entrappten Trauben spontan in Inox-Tanks vergoren. Zu 60 Prozent in neuen Barriques ausgebaut, 40 Prozent Zweitbelegung und ein Teil in 500 Liter Tonneaus.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

19
/20

Gerstl über: Chateau Valade Grand Cru

Wenn die Merlot-Frucht perfekt gereift ist und zusätzlich noch eine gute Frische bekommt, dann strahlt sie schon fast magisch aus dem Glas. Ein Schwall von rotbeeriger Frucht aus Johannisbeere, Himbeere und Erdbeere, aber auch Kirsche. Das ist ein traumhaft intensives, aber gleichzeitig auch so leichtfüssiges Bouquet. Herrliche, tänzerische, florale Aromen verstärken die Eleganz noch. Beeindruckender Auftakt aus einem gewaltigen Fruchtschwall und raffinierter, frischer, saftiger Säure. Man ist einen Moment lang fast etwas überfordert, um alle Nuancen erfassen zu können. Die perfekt gereifte Frucht bringt eine begeisternde Extraktsüsse ins Spiel, was den Wein noch delikater macht. Jetzt zeigt sich die Sauerkirsche in voller Pracht. Was für eine herrliche Balance aus faszinierender Intensität und unbeschreiblich eleganter Leichtigkeit. Das ist mit Sicherheit der beste Valade, den ich je degustiert habe – ein magischer Wein. 19/20

Mein Winzer

Valade

Ein erst 2007 gegründetes Chateau von Cedric Valade aus Castillon. Drei kleine Plots mit Lehm auf Kalkstein, direkt neben Tour Saint Christophe gelegen, perfektes Kalksteinterroir. Gesamtgröße 5,8 Hektar, Durchschnittsalter der Reben über 30 Jahre. Nur der kleine zweite Teil des Weinguts bei Clos...

Chateau Valade Grand Cru 2022