Kleine Produktion aus den Artigues de Lussac, aktuell durch Neupflanzungen nur rund 2,5 Hektar im Ertrag, mit durchschnittlich etwa 40 Jahre alten Reben. Die Böden sind klassisch lehmig-kalkig, mit Südausrichtung – perfekte Voraussetzungen für immer reife, expressive Frucht bei gleichzeitig erhaltener Frische. Die Erträge lagen 2025 bei rund 40 hl/ha, also durchaus ordentlich und sauber im Gleichgewicht. Lese der Merlot am 13. September. Vergärung über rund 27 Tage, anschließend Ausbau über 14 Monate in französischen Barriques (ca. 15% neu, großer Teil einjährig und älter). 14,5% Vol. Alkohol bei pH 3,62. In der Nase sofort unglaublich einladend – ja, zum Reinlegen schön. Opulente, reife dunkle Beeren, viel Schwarzkirsche, dazu ein Hauch Holunder und Schlehe. Das wirkt richtig samtig, voll und fast schon üppig, aber ohne plump zu werden. Alles sehr rund, sehr charmant, mit dieser typischen, sonnenverwöhnten Merlot-Aromatik. Am Gaumen dann saftig und reichhaltig, mit viel Schmelz. Die Tannine sind extrem fein, fast cremig, nichts stört, alles fließt. In der Mitte unglaublich saftig, mit schöner Süßkirsche und feinem Druck. Der Wein hat Substanz, bleibt aber gleichzeitig zugänglich und animierend. Das ist ein wunderbar hedonistischer Bordeaux Supérieur: voll auf Genuss gebaut, mit viel Frucht, Saft und Charme. Dazu eine ordentliche Länge für diese Kategorie – das macht richtig Spaß. Ein sehr gelungener, leckerer und stimmiger Jahrgang mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis. *** Der kleine Weinberg, schon im 11. Jahrhundert namentlich erwähnt durch das Kloster und die Mönche von Faize und ihre Kirchweinbereitung, liegt in Les Artigues de Lussac-Saint-Émilion, hat allerdings statt der Lagemäßig richtigen Appellation von Lussac Saint Emilion nur die Appellation Bordeaux Supérieur aufgrund eines historischen Streits der Gemeinde Les Artigues um Kirchenrechte. Es wäre ein riesiger, aber machbarer Aufwand diese Appellation wieder zu holen. Ziemlich dumm Der Weinberg umfasst nur fünf Hektar in reiner Südwest- und Südexposition. Roter Lehm mit Kalkstein, 100 Prozent Merlot, von Jean Louis Trocard neu gepflanzt 1982. Wir reden hier von einem großen kleinen Wein. Bio im Weinberg, Handlese, winzige Erträge, Spontanvergärung. Ausbau im neuen und gebrauchten Barrique, 15% neu, 75% einjährig, 10% zweijährig. Der Wein kann problemlos 20 Jahre oder länger altern, das haben wir oft genug erfahren. Es ist ein Weinberg der Handelsfamilie Trocard, die auch Clos de la Vieille Eglise ihr Eigen nennen. Angepflanzt direkt hinter ihrem Hauptsitz in Lussac.