Der Mythos lebt. Dieser Château Musar ist und bleibt der große Rotwein des Libanon. Im Gegensatz zum Jahrgang 2018, der mich direkt an die nördliche Rhône versetzt hat, katapultiert mich dieser anmutige, elegante Jahrgang 2019 direkt nach St-Estèphe ins Bordeaux! Schon die Wachstumsperiode verlief ungewöhnlich: Nach mehreren trockenen Jahren fiel im Bekaa-Valley im Winter eine Rekordmenge an Regen, die die Reben für den Sommer wappnete. Im April waren die Böden immer noch feucht und kühl, wodurch der Austrieb um mindestens zwei Wochen verzögert wurde. Ausgeglichene Temperaturen sorgten für eine gleichmäßige Blüte im Mai und Juni. Im Herbst konnten schließlich kerngesunde Trauben mit wunderbar reifer Aromatik und harmonischen Säurewerten geerntet werden. Die über 40 Jahre alten Rebstöcke bringen generell eher niedrige, dafür aber konzentrierte Erträge hervor. Der Blend besteht zu jeweils einem Drittel aus den Rebsorten Cinsault, Cabernet Sauvignon und Carignan. Nach der Gärung im Zement zieht der Wein für ein Jahr in französische Barriques um, bevor er abgefüllt wird und mindestens weitere vier Jahre im tiefen Untergrundkeller des Weinguts reift. Der Wein steht in elegantem Rubinrot im Glas. Eine wunderbar energiegeladene rote und dunkle Frucht zeigt sich: viel Herzkirsche, ein Hauch reifer Brombeere, Cranberry, rote und schwarze Johannisbeere sowie vielschichtige, erdige Aromen. Würziger Schwarztee, tief brummende Nelke und vielschichtige orientalische Noten – der Duft der Souks von Marrakesch. Mystisch! Leder, braune Gewürze, Zimt, Zedernholz, Koriander, ein erfrischender Hauch Minze und sogar ein paar schwebende, getrocknete Rosenblätter. Am Gaumen ist der Stoff kurz vor seinem Release auf den Markt im Februar 2026 druckvoll und dabei athletisch definiert. Château Musar legt mit zunehmender Flaschenreife immer noch an Fülle und Schmelz zu. Die typische lebendige, salzige Säurefrische der Höhenlage sorgt für Präzision und gibt dem Wein ein elegantes Mundgefühl. Der Jahrgang ist nach über fünf Jahren zwar schon zugänglich und trinkbar, hat aber ganz ohne Frage Potenzial und große Energie für noch viele weitere Jahre im Keller. Eindrucksvoll! Während unserer Probe öffnete Marc Hochar auch den Jahrgang 1984. 2019 ist, wie in beinahe allen Rotweinregionen der Welt, auch ein großer Musar-Jahrgang.