Chateau La Grande Clotte (AC Bordeaux Blanc) 2022

Chateau La Grande Clotte (AC Bordeaux Blanc) 2022

Holzkiste

Zum Winzer

97–98
100
2
Sauvignon Blanc 50%, Sauvignon Gris 20%, Semillon 20%, Muscadelle 10%
5
weiß, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2040
Verpackt in: 12er OHK
9
voll & rund
exotisch & aromatisch
mineralisch
3
Lobenberg: 97–98/100
6
Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau La Grande Clotte (AC Bordeaux Blanc) 2022

97–98
/100

Lobenberg: Der Wein besteht zu 50 Prozent aus Sauvignon Blanc, 20 Prozent Sauvignon Gris, 20 Prozent Semillon und zehn Prozent Muscadelle. Ausgebaut im neuen Barrique für sechs bis acht Monate mit Bâtonnage. Die Sauvignon Gris gibt eine bestimmte würzige Note. Der Wein hat einen weniger schlanken, direkten Sauvignon Blanc Angang, eher ein bisschen apfelige und cremige Noten, dazu feine Kalksteinspuren. Gelb und weißfruchtig, die weiße Frucht dominiert etwas. Walnuss kommt durch. Sehr ätherische, entgegenkommende Nase, ohne in das Explosive eines reinen Sauvignon Blanc reinzugehen. Eher große Harmonie ausstrahlend. Und schon in der Nase eine hedonistische Freude! Im Mund viel Grip und eine erstaunliche Dominanz der Sauvignon Gris. Wow, das ist ein sehr spezieller Wein! Hohe Intensität und Druck. Noten von Kimchi und weißem Pfeffer, dazu Ingwer. Reneklode, Mandeln, Birnenquitte. Über das neue Holz und die Bâtonnage bekommt der Wein die Fülle, die Cremigkeit und den Druck. Trotzdem ist er überhaupt nicht überholzt. Er hat nur einen Hauch davon. Was für eine Intensität in Nase und Mund, was für ein Unikat an Kraft! Diese Variation aus Kimchi, Zitronengras und Quitte, mit viel exotischer Frucht aus Maracuja und viel Kumquat. Dazu Mandarine und Orangenzesten. Dieser Wein ist großes Kino und ein Unikat! Mir lieber als viele Pessac-Léognan, die im doppelten Preisbereich liegen. Ich weiß nicht, ob ich ihn über den 2021er stellen soll, der hatte einen Hauch mehr Frische. Aber der 2022er hat so viel Power, so viel Eigenwilligkeit, so viel unikathafte Geschmacksfülle und Reichtum, dass er am Ende wohl mein Best Ever sein wird. Er steht für zwei Minuten im Mund. Was für ein ganz besonderer Weißwein! 97-98/100 *** Der Weinberg von La Grande Clotte liegt in Lussac-Saint-Émilion. Weißen Saint-Émilion gibt es vom Gesetz nicht, also ist es nur ein AC-Bordeaux. Bis 2012 war dieses Weingut im persönlichen Besitz von Michel Rolland, ein Lieblingskleinod von ihm. Seine Labormannschaft machte die Ernte und Vinifikation. Reiner Kalkstein mit einer Löss-Lehm-Auflage. Seit 2013 mit neuen Winzern, ein blutjunges Paar aus der Region, das zuvor in Kanada als Winzer tätig war.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

Mein Winzer

La Grande Clotte

Château La Grande Clotte blanc ist ein kleiner Weinberg von einem Hektar uralter Reben auf dem Gebiet von Lussac Saint Émilion. Da es keine Weißweinappellation Lussac gibt (nur Verrückte machen in Saint Emilion Weißwein!), kann der Wein nur unter der Appellation AC Bordeaux gefüllt werden.

Chateau La Grande Clotte (AC Bordeaux Blanc) 2022