Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois 2022

Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois 2022

Holzkiste

Zum Winzer

95–96+
100
2
Cabernet Sauvignon 54%, Merlot 39%, Petit Verdot 5%, Cabernet Franc 2%
5
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2050
Verpackt in: 12er OHK
9
strukturiert
pikant & würzig
saftig
3
Lobenberg: 95–96+/100
Suckling: 93–94/100
Revue du Vin de France: 93–94/100
Gerstl: 18+/20
6
Frankreich, Bordeaux, Moulis und Listrac
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois 2022

95–96+
/100

Lobenberg: 54 Prozent Cabernet Sauvignon, 39 Prozent Merlot, fünf Prozent Petit Verdot und zwei Prozent Cabernet Franc. Der 2022er hat eine sehr elegante Nase. Ganz feine helle Lakritze, Rosenblätter, rote Kirsche und Sauerkirsche. Veilchen nur ganz zart dahinter. Nichts Wuchtiges, einfach nur fein schwebend. Ohne, dass es jetzt leicht wäre, aber der Wein bleibt filigran in der Nase. Ein aromatischer Sauerkirsch-Schlehe-Mund mit feiner heller Lakritze, Nougat, Nutella und Wiesenblumen. Eine schöne Länge, fein verwoben. Ganz leicht trocken, aber insgesamt sehr burgundisch, fein und verspielt. Mit guter Länge salzig endend, dazu ein Hauch Eisen, Blut und Grafit. Er bleibt dabei absolut auf der Finesse-Seite mit seinen seidigen Tanninen. Ein verspielter, schöner, harmonischer Chasse-Spleen. Eine kleine tänzelnde Schönheit – gefällt mir sehr gut und ist wohl der beste, hier jemals erzeugte Wein! 95-96+/100 *** Chasse-Spleen war lange Zeit der absolute Superstar der Appellation Moulis, die neben Margaux liegt, noch vor Listrac. Moulis wurde dann stärker dominiert von Branas Grand Poujeaux, von Poujeaux und anderen. Chasse-Spleen verschlief die Zeit ein wenig. Vor allen Dingen geriet der Wein in den letzten Jahren immer etwas grün und unreif. Man erntete zu früh. Spätestens seit 2020 ist Chasse-Spleen langsam, aber sicher wieder zurück auf der Spur.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

93–94
/100

Suckling über: Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois

-- Suckling: Firm and linear with medium to full body and chalky, slightly tight tannins. Hints of walnuts and dark berries at the end. 93-94/100

93–94
/100

Revue du Vin de France über: Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois

-- Revue du Vin de France: This classic for its appellation has not missed the cut. It is as charming as usual with its palate showing a savoury, precise profile. The tannins are fine and elegant. 93-94/100

18+
/20

Gerstl über: Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois

-- Gerstl: Schon die Farbe des Chasse-Spleen ist sehr dicht – und genau so duftet er auch. Viel Terroirwürze und ein kühler Tiefgang verbinden sich mit schwarz- und rotbeerigen Aromen. Sehr harmonisch, weich und gut ausbalanciert am Gaumen mit reifer, schwarzer Frucht und einem Schwall von Kräuteraromen. Im Abgang kommen schön die Röstaromen von Kaffee und Schokolade zum Vorschein. Ein überaus angenehmes und delikates Trinkerlebnis. (pb) 18+/20

Mein Winzer

Chasse Spleen

Die aus vier Parzellen bestehenden 79 Hektar Weinberge von Château Chasse-Spleen liegen überwiegend auf tiefgründigem, kieshaltigen Boden und sind mit durchschnittlich 40 Jahre alten Rebstöcken bestockt.

Chateau Chasse Spleen Cru Bourgeois 2022