Bischel: Silvaner Reserve 2024

Bischel: Silvaner Reserve 2024

Zum Winzer

Silvaner 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2041
fruchtbetont
frische Säure
voll & rund
Lobenberg: 95–97/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Silvaner Reserve 2024

95–97
/100

Die Reben sind 1964 gepflanzt, richtig dicke, knorzige Stöcke. Das war ein Weinberg vom Silvaner-Papst Michael Teschke, der sein Weingut aufgegeben hat. Bischel hat die Chance genutzt und diese ökologisch bewirtschaftete Top-Parzelle übernommen. Nach einer gewissen Maischestandzeit wird komplett in burgundischen Barriques spontan vergoren und ausgebaut, rund 25 Prozent neues Holz. Ertragsreduktion und späte Lese, um eine gute Reife zu erhalten. Die Nase ist faszinierend, tief und reich, aber auch voller Finesse und Spannung. Komplett durchgegoren auf unter 1 Gramm, knochentrocken. Die Reife war für das kühle Jahr schon ziemlich hoch, der Wein hat eine ungeheuerliche Dichte. Köstliches Holz, das freut jeden Burgundfan, sehr elegant eingebunden, nasser Stein, Flechten, Kombu-Algen, Quittenschale, Nelkenpfeffer. Tolle Würze und Dramatik, ich liebe diesen dunklen, herben Charakter von 2024. Vielschichtig, seidig, dramatisch tief und faszinierend in seiner ganzen Art. Das erinnert schon deutlich an die Silvaner von Teschke, die ja neben Saalwächters wohl die Besten Rheinhessens waren – und bei Bischel setzt sich diese Erfolgsstory glücklicherweise fort. Ein großer Wurf aus diesem Cool Climate-Jahr, ich schätze das Potenzial dieses Silvaners auch auf viele Jahre. Ich bin sehr verblüfft von diesem Stoff.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Bischel

Das Weingut Bischel ist unter Führung der beiden Brüder Christian und Matthias Runkel zu einem der aufstrebenden Stars des verjüngten Rheinhessen aufgestiegen. Die Krönung ihrer ambitionierten Arbeit war die Aufnahme in den VDP mit dem Jahrgang 2018.

Silvaner Reserve 2024