Bernhard Huber: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs 2023

Bernhard Huber: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs 2023

GC Club

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2031–2048
strukturiert
seidig & aromatisch
saftig
Lobenberg: 99–100/100
Suckling: 98/100
Decanter: 97/100
Weinwisser: 96–98/100
Parker: 95/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs 2023

99–100
/100

Lobenberg: Wir liegen hier in der Pflanzdichte von 14.000 Stöcken pro Hektar. Daraus resultiert ein maximaler Ertrag von unter 500 Gramm Trauben pro Rebe. Enorme Steigung im steilsten Stück, also extreme Steillage in Süd- bis Südwestexposition. Entsprechend sehr warm, die Hitze hält sich hier bis tief in den Abend. Purer Muschelkalkfels mit einer kleinen Verwitterungsgesteinsauflage. Zu 100 Prozent französische Klone, Mitte der 1990er Jahre gepflanzt. Wie eigentlich immer, zeigt sich der Schlossberg extrem hell in der Ausprägung – kein Wunder, bei diesem kargen, reinen Kalkfels.Die Nase: nasser Stein, dezente Feuersteinreduktion, kühl und kreidig, mit dieser paradoxen Spannung zwischen warmer Lage und kühlster Ausstrahlung im Glas. Sehr helle Sauerkirsche, Cranberry, Himbeere. Am Gaumen dann ultraklare Brillanz: rote Johannisbeere, fein tänzelnde Veilchen, so duftig, elegant, zart – und zugleich intensiv, reich, mit immenser Strahlkraft. Pinot-Fans schmelzen hier dahin: so saftig, beerig, unendlich fein, die Tannine wie ein zarter, seidiger Teppich, der in einen Abgang von großer Länge führt. Vollmundig und doch vibrierend kühl. Ein Ereignis von Spannung, herb-saftiger Struktur und unglaublicher Geschliffenheit – ganz großer Wein! 2023 war dabei ein herausfordernder Jahrgang. Warm und konstant, ohne Frost, mit einem guten Sommer und idealen Niederschlägen, dann jedoch viel Regen zum Herbst. Die geschmackliche Reife kam nur zögerlich, Mostgewicht war da, doch die physiologische Reife ließ auf sich warten. Deshalb wurde außergewöhnlich lange gewartet und rund zehn Tage nach den Regenfällen gelesen. Das Ergebnis: ein sehr saftiger, vibrierender Jahrgang, mit enormem Trinkfluss, ja sogar noch mehr Leichtigkeit und Zug als der konzentrierte 2022er. Komplett entrappt, die Gerbstoffstruktur also rein aus der Frucht, nur fein ergänzt vom Holz. Der Ausbau erfolgte wie immer in burgundischen Barriques, ein Drittel neu, für 16 Monate im Fass. 2023 wurde deutlich mehr extrahiert, sechs bis achtmal untergestoßen, um die zusätzliche Dichte und einen feineren Gerbstoffeintrag zu gewinnen. All das ergibt einen Schlossberg, der die ganze Energie des Jahrgangs in sich trägt: saftig, transparent, unendlich klar – und zugleich in einer vibrierend-kühlen Eleganz von seltener Größe.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

98
/100

Suckling über: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs

-- Suckling: The way the floral, savory and mineral elements of this wine are intertwined is nothing less than majestic. Incredible concentration and finesse on the very focused, medium-bodied palate. The violets caress you right through the extremely long finish. Drink or hold.

97
/100

Decanter über: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs

-- Decanter: The Hecklinger Schlossberg vineyard’s steep terraces face the Rhine Valley. The soils are composed of weathered shell limestone – a natural home for Spätburgunder, where it reaches its finest expression. This is evident in the juicy blueberry fruit, rather than cherry, which is clear, precise and polished. Julian Huber has recently reduced whole-cluster fermentation to such an extent that green spice now remains only as a background note, supported by subtle hints of oak, coffee and dark chocolate. The tannins are fine-grained, gliding smoothly into the endless finish.

96–98
/100

Weinwisser über: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs

-- Weinwisser: Vielleicht das nobelste Bukett der Huber‘schen Spätburgunder, souverän und in sich ruhend, Amarenakirschen, Gelee von schwarzen Johannisbeeren, Veilchen, Bitterschokolade, Mokka und Mahagoni. Einfach perfekt am Gaumen, noble Mineralität, feine „Sucrosité“, komplexer und perfekt balancierter Fruchtkörper. Es schlummert noch spürbar weiteres Potenzial!

95
/100

Parker über: Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs

-- Parker: From the smallest and most aromatic and concentrated berries of the vintage, the 2023 Schlossberg Hecklingen Spätburgunder GG is deep, very intense and saline on the nose, intertwined with toast, mocha, chocolate and iodine notes. This is an oil painting compared to the aquarelle of the Bienenberg or Sommerberg. Full-bodied, generous and saline on the palate, this is a mouth-filling, round and juicy, relatively open Pinot with fine tannins and a sweet fruit core. The wine has power, flesh and intensity 13.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine in July 2025.

Mein Winzer

Bernhard Huber

Die Geschichte des Spätburgunder in Malterdingen begann vor über 700 Jahren, als die Zisterziensermönche die aus dem Burgund stammenden Reben dort pflanzten.

Spätburgunder Schlossberg Großes Gewächs 2023