Es gibt wohl kaum ein anderes Weingut, das unter auch nur annähernd so schweren Bedingungen derart beeindruckende Weine macht wie Bargylus. Die Brüder Sandro und Karim Saadé lassen sich trotz aller Aversitäten und Herausforderungen nicht unterkriegen. Mittlerweile ist es seit vielen Monaten nahezu unmöglich, Wein aus Syrien zu exportieren. Daher werden nun die Reserven aus dem europäischen Lager als limitierter »Late Release« auf den Markt gebracht, und hoffentlich kommen wir bald wieder an Nachschub aus Syrien ran. Bordeaux-Berater-Legende Stéphane Derenoncourt ist hier Consultant – das gibt schon mal Aufschluss darüber, wie hoch die Messlatte liegt. Ein Blend aus 60 Prozent Syrah, 20 Prozent Cabernet Sauvignon und 20 Prozent Merlot. Der Weinberg liegt auf 900 Höhenmetern auf der Kuppe eines Berges. Handlese, danach zweimaliges Sortieren im Weingut. Vergärung im Edelstahl und Ausbau über 14 Monate lang im Barrique, davon war ein Drittel Neuholz und jeweils ein Drittel Zweit- und Drittbelegung. Tiefes, beinahe undurchsichtiges Rubinrot mit extrahierten Tränen am Glasrand. Eine hochkonzentrierte, sehr intensive Nase, die zugleich eine faszinierende Feinheit und Vielschichtigkeit an den Tag legt und dabei auch noch vor Frische vibriert. Reife, beinahe überreife Brombeere, sehr üppige Feige und Pflaumen im Spiel mit aromatischem Lavendel und Unmengen an frischem Thymian. Wow, das ist ein ganzes Feld intensiv duftender, mediterraner Kräuter! Später kommen ätherische Pinien- und Tannennadeln, auch blühende Weißtanne dazu. Nach und nach entwickelt sich eine zart rauchige, granit- und schieferartige Mineralik: Eisen, Rauchfleisch, Leder, Tabak, Graphit und von der Sonne erwärmte, braune Erde. Ein Hauch Zedernholz, Zimt, Nelken, Pfeffer, schwarzer Kümmel, ein bisschen Lebkuchen, Gewürzbrot und undefinierbare Aromen aus den Märkten in Tausendundeiner Nacht. Aromatisch ist dieser Wein bei meiner Probe im Frühjahr 2026 in einem wunderbaren Stadium. Er ist noch intensiv fruchtig und zugleich kommt diese wunderbare Würze der Reife hinzu. Sehr versammelt und außerordentlich harmonisch. Vermutlich würde blind probiert niemand auf ein Alter von 13 Jahren tippen, sondern deutlich jünger. Jedenfalls hat er mindestens nochmals weitere 15 Jahre Potenzial. Er füllt den Mundraum in seiner üppigen Frucht und Pfefferwürze aus. Wieder süße, reife Brombeere, Cassis und Schwarzkirsche, getrocknete Pflaumen, ein Hauch Teer, braunes Leder, Piment, Nelken, aromatisch süße getrocknete Kräuter und etwas Graphit. Der Wein ist wärmend und würzig in dieser dunkelfruchtigen Charmeoffensive. Wenn sich das nun sehr nach »Neuer Welt« anhört, ist das faktisch gar nicht so. Auf der Zunge hat der Wein eine salzige Frische und die präzise, frische Säure aus einer Höhenlage. Während der Wein in seiner Jugend immer an eine Mischung aus Rhône und Languedoc erinnert, erinnert er nun in einem Moment an Bordeaux vom rechten Ufer, bevor dann wieder diese spannende, wilde »Andersartigkeit« und der mediterrane Touch daherkommen. Auf jeden Fall wäre dieser Wein sehr spannend in einem Bordeaux-Line-up anzustellen. Die vielen kalkigen Tannine sind reif und doch zugleich dezent griffig – sie knacken beinahe auf der Zunge. Im Nachhall bleiben Graphit, Leder und Teer mit dezent bitteren, angeflammten Kräutern – etwas Salbei, etwas Thymian –, weißer Pfeffer und ein Hauch Chili-Würze auf der Zunge. Wild und ungezähmt, ein stolzer Wein mit viel Individualität und ein einzigartiger Powerwein aus den Hochlagen Syriens.