Der Winzer Jim Clendenen war einer der größten Liebhaber und Kenner des französischen Burgunds, den ich je kennenlernen durfte. Er besuchte die Region so oft wie möglich und interessierte sich über die geschmackliche Ebene hinaus auch sehr für die Geschichte und Mentalität der Region. 1998 hatte er bei seiner Rückkehr nach Kalifornien deshalb die Idee, einen Wein im Stil des ursprünglichen Corton-Charlemagne zu kreieren. Denn Chardonnay war dort nicht schon immer die einzige Rebsorte für Weißweine. Es wird vermutet, dass während Karl der Große im Mittelalter regierte, Pinot Gris, Pinot Blanc und Aligoté die wichtigsten Rebsorten der Lage waren. Jim Clendenen widmete seinen Weißwein »Hildegard«, der Ehefrau von Karl dem Großen. Basis des Blends sind die Pinot Gris Trauben, die im Block 12 des Bien Nacido Vineyard direkt neben dem Weingut stehen. Die alten Reben dort bringen immer kleine Erträge intensiver Trauben hervor, die – was die Dichte angeht – eher einem Burgunder oder Elsässer Pinot Gris ähneln. Diesen reichhaltigen, beinahe »öligen« Pinot Gris blendete Jim mit der steinigen Mineralik des Pinot Blanc und der knackigen Frische des Aligoté. Ein Blend, das so bis heute bestehen blieb. Nach der sorgfältigen Handlese werden die drei Rebsorten separat vergoren und dann 16 Monate lang in neuen französischen François Frères Fässern ausgebaut. Das Resultat ist ein Wein, der die Namensgeberin und Kaiserin mit Sicherheit erfreut hätte! Cremig, vielschichtig, erstaunlich dicht und dennoch mit harmonischer Frische ausgestattet. Ein Hauch Vanille und Zedernholz auf Kumquat, Mandarine und Orangensaft. Ich empfehle Wein zu karaffieren, denn er entfaltet sich wunderbar an der Luft. Ein großes Burgunder Glas tut diesem tollen Stoff definitiv auch gut. Verlässlich, schick und definitiv imposant!
Nach drei trockenen Jahrgängen (2020, 2021 und 2022) startete das Jahr 2023 in Kalifornien für die Reben endlich wieder mit ausreichend viel Niederschlag während der Wintermonate, durch den die Wasserreserven der Weinberge größtenteils wieder aufgefüllt werden konnten. Die Temperaturen blieben im Frühjahr lange kühl, was den Austrieb der Reben extrem verzögerte. Zudem beeinträchtigten diese kühlen Frühlingstemperaturen den Fruchtansatz, was je nach Weinberg auf natürliche Art und Weise zu einer niedrigen Erntemenge und somit zu einer größeren Konzentration führte. Durch die Wachstumsperiode hinweg fielen 2023 in guten Abständen Niederschläge, und es gab keinerlei Trockenstress. Der Sommer verlief im Gegensatz zum heißen Vorjahr 2022 mild und die Trauben konnten langsam und gleichmäßig ausreifen. Zugleich konnten sie eine optimale Balance aus Tanninreife, Frucht und Säure erreichen. Im Herbst wurden die angenehmen Tagestemperaturen durch kühle Nächte ausgeglichen – dies bot nahezu perfekte Bedingungen für die Ausbildung eines komplexen Aromenspektrums. Die Weinlese verlief relativ entspannt und konnte ohne Zeitdruck bei idealer Reife durchgeführt werden. Bereits bei der Gärung legten viele Weine eine beeindruckende Intensität an den Tag, wie man sie nur ganz selten erleben kann. 2023 gilt nach 2021 und 2019 wieder als herausragender, großer Jahrgang.