Alexander Laible: Scheurebe Chara *** 2024

Alexander Laible: Scheurebe Chara *** 2024

Scheurebe 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2031
exotisch & aromatisch
Lobenberg: 93/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Scheurebe Chara *** 2024

93
/100

Immer das Beste Fass aus den ältesten Anlagen bekommt die Bezeichnung Chara. Es gibt ein Chara-Fass aus allen Rebsorten von Alexander, aber immer nur maximal ein Fass in jedem Jahrgang. Chara ist Alt-Griechisch und heißt »die Freude«. Eine Hommage an die evangelische Kirche, die den Laibles in den schweren Gründungsjahren das Überleben sicherte. Die Scheurebe bekommt eine kurze Maischestandzeit, um die Aromen zu lösen und einen leichten Grip zu bekommen. Der Wein wird mit wenig Sauerstoffkontakt gepresst. Ausbau im komplett im Edelstahl. Die Scheurebe von Alexander Laible zeigt in der Nase weiße und schwarze Johannisbeere, Buchsbaum, dann kommt weißer Weinbergspfirsich und saftige Ananas. Schöne Exotik, aber nichts Überbordendes, auch die feine grünblättrige Frische begeistert. Pfefferminze, Holunderbeeren. Im Mund leichtfüßig, kräuterig-frisch, ein bisschen an Sauvignon Blanc erinnernd. Alexander sagt, dass Scheurebe die deutsche Antwort auf Sauvignon aus Neuseeland ist, das kommt schon gut hin. Es hat dieselbe Klarheit und eine expressive Aromatik, aber es ist meist etwas dezenter und eleganter als New World Sauvignon Blanc, das liegt mir mehr. Die Präzision von Alexanders Weinen ist bestechend, man merkt, dass er an die Scheureben herangeht wie ein Rieslingwinzer, so klar und saftig. Wunderbar!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Alexander Laible

Im Jahr 2007 war es so weit: Alexander Laible, Jahrgang 1978, der jüngere Sohn des erfolgreichsten Rieslingwinzers in Baden, erfüllte sich den Traum eines eigenen Weinguts im heimischen Durbach.

Scheurebe Chara *** 2024