Aldo Conterno: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello 2022

Aldo Conterno: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
voluminös & kräftig
tanninreich
Lobenberg: 97–98/100
Suckling zu 2021: 98/100
Wine Spectator zu 2021: 98/100
Falstaff zu 2021: 98/100
Decanter zu 2021: 97/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello 2022

97–98
/100

Die Einzellage »Colonnello« liegt direkt über der großen Amphitheater-Lage Bussia. Die Lage ist nach einem französischen Colonel benannt, der sich zu Napoleons Zeiten dort niederließ. Hier gibt es nur drei Erzeuger: Aldo Conterno, Prunotto und Bussia Soprana. Die Reben sind nach Westen und Südwesten ausgerichtet und stehen auf bis zu 400 Höhenmetern, daher haben wir hier ein kühleres Mikroklima als in der Lage Bussia selbst. Der Untergrund besteht vorwiegend aus Sand, Magnesium und Lehm – eine Art Boden wie in La Morra. Die Weine sind aufgrund dessen und des etwas kühleren Mikroklimas leichter, floraler und verspielter. Im Stahltank vergoren. Dann 30 Monate lang in 25 HL großen Fässern ausgebaut und im Anschluss nochmal beinahe ein Jahr lang im Stahltank. Während dieser Zeit fallen Trübstoffe auf den Boden des Tanks, denn das Weingut füllt ohne Filtration ab. Leuchtendes, mittleres Rubinrot mit einem Hauch Orange. Das größte Risiko des Jahrgangs war es laut Giacomo Conterno wohl, den richtigen Lesezeitpunkt zu verpassen und somit über-konzentrierte, »marmeladige« Weine zu machen! Dieser Vigna Colonnello ist schon in seinem betörenden Duft eine gnadenlose Schönheit! Intensive, rote Kirsche und Pflaume mit würzigem Zedernholz, schwebender Vanille, tiefgehendem, kubanischem Tabak, zarten Noten von würzigem Teer, Eisen und getrocknetem Fleisch. Insgesamt haben wir hier eine wunderbar erdige Nase mit klirrender Präzision und einem verspielten Hauch erfrischender, konzentrierter Orange. Im Mund tritt der Wein dann salzig und rotfruchtig auf die Zunge, die Würze des Holzsausbaus ist in schwebender Balance integriert. Nach einiger Zeit kommen mehr und mehr schwebende, rote Blütenaromen dazu. Die Tannine sind zugleich monumental und auch raffiniert, sie sind rund geschliffen und bauen sich mit der intensiven Frucht spannungsgeladen mehr und mehr auf der Zunge auf. Es sind schöne, klassische Tannine, die erfahrene Piemont-Liebhaber absolut feiern werden. Schwarzkirschen, Brombeeren und Lakritz im Nachhall. Ein wunderbarer Wein aus einer großen Cru-Lage. Giacomo Conterno erzählt, dass das Geheimnis der Größe seines Jahrgangs 2022 die enorm penible Selektion der Trauben war. Auch im Keller wurde anschließend noch einmal rigoros aussortiert. Was nicht den krassen Qualitätsansprüchen des Weinguts genügt, wurde als Fassware abverkauft! Diese Kompromisslosigkeit war in dem herausfordernden Jahrgang 2022 der Schlüssel zur Größe der Weine. Als Belohnung zählt das Weingut Aldo Conterno ganz ohne Zweifel zu den besten Winzern der Region! Ein Piemonteser Genusswein aller ersten Grades! Neben dem Vigna Cicala hat dieser großartige Stoff eine beinahe schwebende Qualität.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

Verkostungsnotiz
98
/100

Suckling zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello

A restrained and elegant wine with aromas of citrus, leaves, dried cherries, orange peel and an enticing whiff of peppermint. The palate is graceful despite a full body, tense acidity and firm, muscular yet velvety tannins, but everything is well packed, poised and balanced. Long, lavish and bracing aftertaste. Try from 2027.

Verkostungsnotiz
98
/100

Wine Spectator zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello

The cherry, blackberry and violet flavors are effusive, while the structure lends a dense matrix of tannins and bright acidity. Overall, this is taut and reserved, yet with a racy feel and marvelous length. Flashes of tar, black pepper and mineral add complexity. Best from 2030 through 2050.

Verkostungsnotiz
98
/100

Falstaff zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello

Kraftvolles, leuchtendes Rubin. Eröffnet mit balsamischen Noten, Kardamom und Lakritze auch frisches Leder, dann Himbeere und Zwetschge. Am Gaumen geprägt von gut herausgearbeiteter Frucht, dunkle Himbeere, setzt fort mit feinmaschigem, dichtem Tannin, langer, salziger Nachhall.

Verkostungsnotiz
97
/100

Decanter zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello

The estate’s first single-vineyard Barolo was introduced in 1970 – the same year that Aldo Conterno struck out on his own. It hails from a 1ha site with predominantly sandy soil, rich in magnesium and manganese. Floral top notes exhibit Nebbiolo’s classic rose scent, nuanced by brushwood, toasted hazelnut and earthy roots. The palate rings out with clarity and precision. Raspberry and rhubarb underlie the silky, finessed tannins. A warning though: there are masses of them! A truffle innuendo haunts the finish. This is a wine to forget about for a few years.,

Mein Winzer

Aldo Conterno

Die Familie Aldo Conterno produziert schon seit über fünf Generationen Wein. Das Weingut, das im Weiler „Bussia Soprana“ bei Monforte d’Alba liegt, der besten Lage Monfortes und eine der besten Lagen für Barolo überhaupt, verwendet auch heute noch, bzw. wieder, ausschließlich die aus eigenen...

Barolo Bricco Bussia Vigna Colonnello 2022