Aldo Conterno: Barolo Bricco Bussia Vigna Cicala 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 15,0% Vol.
- Trinkreife: 2028–2050
- tanninreich
- voluminös & kräftig
- Lobenberg: 98/100
- Suckling zu 2021: 97/100
- Wine Spectator zu 2021: 97/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Aldo Conterno, Loc. Bussia 48, 12065 Monforte D'Alba (CN), ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Bricco Bussia Vigna Cicala 2022
/100
In der Lage Cicala gibt es wesentlich mehr blauen Lehm, Kalkstein und Eisen als in Bussia. Der Boden ist hier locker und hat ein geringes Wasserhaltevermögen, dadurch werden die Reben gezwungen, tief zu wurzeln, um an Wasser zu kommen. Der Wein kommt zwar wie der Colonnello vom gleichen Bussia-Weinberg, aber hier geht es ganz klar in die Richtung des Maskulinen und Schweren. Cicala ist neben dem Romirasco durch den hohen Eisenanteil im weißen Lehm immer die druckvollste, kraftvollste Lage bei Aldo Conterno. Im Stahltank vergoren. Dann 30 Monate lang in 25 hl großen Fässern ausgebaut, und anschließend nochmal beinahe ein Jahr im Stahltank. Während dieser Zeit fallen Trübstoffe auf den Boden des Tanks, denn das Weingut füllt immer ohne Filtration ab. Vigna Cicala ist eine selbstbewusste, mollige Dame in perfektem, festlichem Make-up. Intensiver, knallroter Lippenstift und pralle, runde Wangen! Der Wein steht in vibrierend leuchtendem, mittlerem Rubinrot im Glas. Reife, klirrend frische, rote Kirsche. Schon die Nase ist samtig und seidig. Mmmh! Wie auch schon der Barolo Bussia hat der Wein einen attraktiven, herzerwärmenden Hauch weißen Trüffel, der gemeinsam mit der tiefen Erdigkeit von duftendem Herbstwald die Sinne erfreut. Diese Nase ist schlichtweg wunderbar attraktiv! Opulent und doch erscheint sie zugleich vielschichtig und saftig in ihrer Rotfruchtigkeit! Sternanis, Vanille und getrocknete Kräuter. Im Mund hat dieser Cicala dann eine klassische, monumentale und griffige Textur. Auch hier schwappt viel saftige, klirrend frische rote Kirsche und etwas Himbeere, Vanille und Walderdbeeren harmonisch daher. Eine derart verspielte Zartheit hinten raus mit wunderbarer Klarheit und Frische. Giacomo Conterno erzählt, dass das Geheimnis der Größe seines Jahrgangs 2022 die enorm penible Selektion der Trauben war. Auch im Keller wurde anschließend noch einmal rigoros aussortiert. Was nicht den krassen Qualitätsansprüchen des Weinguts genügte, wurde als Fassware abverkauft! Diese Kompromisslosigkeit ist der Schlüssel zur Größe der Weine. 2022 zählt Aldo Conterno zu den besten Weingütern der Region! Der Vigna Cicala ist der dichteste Wein des Jahrgangs und geht in einen salzig-mineralischen, langen Nachhall über! Von der Nase her ein großer Burgunder, aber die trojanischen klassischen Nebbiolo-Tannine verraten diesen großen Wein als waschechten Piemonteser! Dennoch wird der geniale Stoff schon in wenigen Jahren und noch vor dem Jahrgang 2021 in seinem idealen Trinkfenster ankommen.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
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Suckling zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Cicala
A super-intense and perfumed Barolo, graceful and powerful, with aromas of Parma violets, citrus, leaves, lush cherries and yellow stone fruit. Full-bodied on the palate, it shows a velvety texture, ripe tannins despite the extraction, tight-knit acidity and graphite flavors. Long, lavish finish. Drinkable now, but best from 2027.
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Wine Spectator zu 2021 über: Barolo Bricco Bussia Vigna Cicala
This red is round, fleshy and expressive, featuring cherry, raspberry, hibiscus, iron and sweet spice flavors. The supple texture is offset with dense yet refined tannins as this red extends on the bright and kaleidoscopic finish. Best from 2030 through 2050.
Aldo Conterno
Die Familie Aldo Conterno produziert schon seit über fünf Generationen Wein. Das Weingut, das im Weiler „Bussia Soprana“ bei Monforte d’Alba liegt, der besten Lage Monfortes und eine der besten Lagen für Barolo überhaupt, verwendet auch heute noch, bzw. wieder, ausschließlich die aus eigenen...