Aldo Conterno: Barbera Conca Tre Pile 2022

Aldo Conterno: Barbera Conca Tre Pile 2022

Barbera 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2036
seidig & aromatisch
fruchtbetont
Lobenberg: 94/100
Suckling: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barbera Conca Tre Pile 2022

94
/100

Conca Tre Pile ist ein kleines Seitental innerhalb der Großlage Bussia. Conca heißt auf Italienisch Tal. Direkt daneben liegt eine kleine Farm der »drei Säulen«. In den 1960er Jahren haben die Conternos diesen Weinberg gepachtet, später gekauft und dann Ende der 1970er komplett neu bepflanzt. Es gibt nur 16.000 Flaschen anstelle des Potenzials von 36.000 Flaschen. Der Ausbau erfolgt für 12 Monate im Barrique, dann noch ungefähr 16 Monate im Stahltank, hier wird nicht filtriert, die Trübstoffe setzen sich in dieser Zeit natürlich ab. ,Tiefes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Violett. Blaubeeren, Schwarzkirschen, Brombeeren und Veilchen, aber auch rote Sauerkirsch-Noten mit einem Hauch aromatischen Himbeerstrauch kommen hinzu. Zarte Vanille und süße Würze, Szechuanpfeffer, süßer Kirschkern, Marzipan und Kalkstein. Im Mund schiebt diese Barbera samtig, dicht und rund mit reifen, saftigen Tanninen. Der warme Sommer des Jahrgangs lieferte ideale Bedingungen für die Rebsorte und dieser Wein verdeutlicht diese perfekte Energie. Hier ist nichts fett, sondern alles ist knackig und auf den Punkt gereift. Saftige Schwarzkirsche und Brombeere schwappen opulent über die Zunge. Im Nachhall kommt noch etwas Würze vom Holzausbau hinzu. Das ist keine gewöhnliche Barbera für den schnellen Genuss, sondern ein Wein der Trinkfreude mit Reifepotential vereint. Minuten nach dem letzten Schluck habe ich noch das herrliche Aroma eines saftigen Zwetschgenkuchens mit dunkler Schokolade im Mund. Mmmh! Famose Trinkfreude!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Suckling über: Barbera Conca Tre Pile

A restrained barbera with aromas of citrus, red currants, cinnamon, red cherries and touches of smoke, licorice and graphite. Full-bodied with supple fruit, a dense palate, velvety tannins and crisp, precise acidity. Warming yet balanced chocolaty finish. Drink or hold.

Mein Winzer

Aldo Conterno

Die Familie Aldo Conterno produziert schon seit über fünf Generationen Wein. Das Weingut, das im Weiler „Bussia Soprana“ bei Monforte d’Alba liegt, der besten Lage Monfortes und eine der besten Lagen für Barolo überhaupt, verwendet auch heute noch, bzw. wieder, ausschließlich die aus eigenen...

Barbera Conca Tre Pile 2022