Aldinger: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2021

Aldinger: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2021

VDP

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2041
pikant & würzig
fruchtbetont
tanninreich
Lobenberg: 96+/100
Weinwisser: 18+/20
Falstaff: 94/100
Deutschland, Württemberg
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2021

96+
/100

Lobenberg: Die Lage Lämmler ist relativ groß, gilt auch als Wärmekammer wegen ihrer Kessel-artigen Form im Zentrum. Allerdings kühlt sie sich durch den Einfluss vom Schurwald auch sehr schnell ab sobald die Sonne erst einmal weg ist. Die nur etwa 0,3 Hektar kleine Gewann »Kaiser« liegt direkt unterhalb des Waldes und ist dadurch sehr kühl und windoffen. Das ist für die Aldingers die beste Pinot-Parzelle hier am Berg, bestockt mit über 40 Jahre alten Reben, die auf Mergel und Sandstein wurzeln. In manchen Jahren ist es sogar so kühl, dass hier auch der Grundwein für die Spitzensekte gelesen wird. Der Spätburgunder wird teils als Ganztraube vergoren, anschließender Ausbau komplett im Barrique mit durchaus spürbaren Neuholzanteilen. Die Nase ist dunkel, rauchig und würzig mit fesselnder Reduktion und Tiefe. Diese dunkle, graphitige Würze erinnert fast schon ein bisschen an die vom Schiefer geprägten Ahr-Pinots. Helle und dunkle Kirschfrucht mit Walderdbeere, dazu etwas Unterholz und Feuerstein. Sehr karg-mineralisch und elegant, nur eben nicht auf expressive Frucht gebaut, sondern auf puren Terroirausdruck. Am Gaumen dann sehr feinblättrig mit klarer, steiniger Mineralität. In Salz gewendete Waldfrüchte, Gesteinsmehl, etwas gegrillte Chili und Heilerde. Schöne Dichte aber so unglaublich fein dabei, durchzogen von feiner Säure, mit dichter Struktur und präsenter Tannintextur im Nachhall. Großartiger Schub aus der süß-sauren Frucht, die eindringliche Salzigkeit drückt immer wieder nach. Das ist ein großer, von kühlem Terroir geprägter Pinot aus Württemberg. Sehr schick und so typisch elegant-reduktiv, wie wir es von Aldinger kennen. 96+/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

18+
/20

Weinwisser über: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs

-- Weinwisser: Wunderbar präsenter, ausdrucksvoller Duft nach roten Beeren, Hagebutten, Rosen, ganz dezent rauchiger Lohe und delikater Reduktion, so expressiv und doch auch so fein. Tolle Balance am Gaumen mit schöner Frische, noch seidiger und feiner im Tannin als der Gips, absolut nobler, aberkeinesfalls beschwerter Fruchtkörper. Tolle Balance im langen und eleganten Finish. 18+/20

94
/100

Falstaff über: Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs

-- Falstaff: Zunächst deutliche Reduktion im Duft. Darunter liegt hellrote Frucht und auch etwas Gewürznelke. Am Gaumen folgt komplexe Frucht, noch junger, etwas adstringierender Gerbstoff, gute Säure, feiner Extrakt. Alles noch jung und auf dem Weg zu einem großen Burgunder. 94/100

Mein Winzer

Aldinger

In Fellbach, unweit entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart, befindet sich der VDP-Traditionsbetrieb Aldinger. Das älteste und bekannteste Weingut Fellbachs existiert schon seit 1492.

Spätbugunder Fellbacher Lämmler Kaiser Großes Gewächs 2021