Aldinger: Sauvignon Blanc Ovum Reserve 2023

Aldinger: Sauvignon Blanc Ovum Reserve 2023

VDP

Zum Winzer

Sauvignon Blanc 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2043
exotisch & aromatisch
mineralisch
Lobenberg: 96/100
Suckling: 96/100
Falstaff: 94+/100
Deutschland, Württemberg
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Sauvignon Blanc Ovum Reserve 2023

96
/100

Das ist wieder eine von Aldingers Spezialitäten! Hansjörg und Matthias Aldinger fahren neben den etablierten Weinen vom Vater eine Handvoll völlig experimenteller Weine. Der Vater war 1985 allerdings einer der ersten, die in Deutschland Sauvignon Blanc gepflanzt hat. Württemberg ohne Krawatte sozusagen. Welch Talent und Frische die beiden in den Betrieb bringen ist grandios. Denn das Weingut selbst ist nach wie vor die Nummer eins in Württemberg, hätte solch wagemutigen Spielereien nicht nötig. Und gerade deshalb ist es umso beachtlicher, dass hier die besten Weine der Region entstehen und der Wandel vom Establishment ausgeht. Die großen Weine sind immer die Grenzgänger wie der ungeschwefelte Trollinger Sine, der Spitzensekt aus dem Hause, der vermutlich zur Zeit der beste Schaumwein Deutschlands ist oder eben dieser Sauvignon Blanc. Die Aldingers haben ihn zu zwei Dritteln im Betonei ausgebaut und der Rest wird im Barrique vergoren. Matthias Aldinger hat bei Eben Sadie in Südafrika gearbeitet und Eben auch bei Aldinger in den 1990er Jahren. Dort hat Aldinger dann den Ausbau im Betonei kennengelernt und nach Württemberg geholt. Der Wein lag zwei Jahre auf der Vollhefe im Ei. Nur die ältesten Reben, komplette Spontanvergärung der Trauben. Das ergibt einen einzigartigen Fumé-Charakter, sodass beim ersten Riechen die Gedanken ganz klar an die Loire fliegen. Man muss an Silexboden denken, an Feuerstein und Graphit. Dunkle Mineralität und strahlend helle Frucht, das ist eine geniale Mischung. Auch Schießpulver. Im Mund hat man dann durchaus auch Reminiszenzen an Sauvignon Blanc 500 Von Winning, aber weniger Exotik und weniger Holz, es bleibt bei Aldinger etwas dezenter. Viel saftige Grapefruit, gelber Pfirsich, Netzmelone, Muschelschale, pikante Maracuja-Säure, auch ein ganz leicht grünlicher Einschlag. Cremig und druckvoll, intensiv, auch im Nachhall kommt die feine Rauchigkeit wieder durch, wird von der salzigen Säure begleitet. Hallt lange nach und klingt würzig aus. Ein großartiger Sauvignon Blanc, der natürlich von seinem speziellen Ausbau geprägt ist. Unfassbar gut!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

96
/100

Suckling über: Sauvignon Blanc Ovum Reserve

At first a blast of flint rolls over you, then aromas of grilled baguette, smoke and grapefruit zest expand. Concentrated, highly structured and extremely compact on the medium-bodied palate. Intense wet stone and salty minerality in the dangerously energetic finish. Fermented and matured in a combination of concrete eggs and 500-liter oak casks. Drink or hold.,,

94+
/100

Falstaff über: Sauvignon Blanc Ovum Reserve

Im vielschichtigen Duft rauchig, kräuterig, auch malzig, etwas Cassis, reife Aprikose. Setzt am Gaumen entspannt an auf fast viskoser Textur, auf der sich, getragen von präsenter Säure, Phenolik, Spannung und Mineralik bis ins lange Finale steigern. Maßstab für deutschen Sauvignon Blanc.,,,

Mein Winzer

Aldinger

In Fellbach, unweit entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart, befindet sich der VDP-Traditionsbetrieb Aldinger. Das älteste und bekannteste Weingut Fellbachs existiert schon seit 1492.

Sauvignon Blanc Ovum Reserve 2023