Aldinger: Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs 2023
- Lemberger 100%
- rot, trocken
- 13,0% Vol.
- Trinkreife: 2028–2043
- pikant & würzig
- strukturiert
- seidig & aromatisch
- Lobenberg: 95–97+/100
- Suckling: 95/100
- Weinwisser: 95–96/100
- Falstaff: 94+/100
- Vinum: 94/100
- Deutschland, Württemberg
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Weingut Aldinger, Schmerstr. 25 / Ecke Lutherstr., 70734 Fellbach, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs 2023
/100
Der Lämmler ist eine waldnahe Lage, der Lemberger steht im Kernstück der Lage. Eine Mischung aus Württemberger Klonen von 1975 und österreische Blaufränkisch aus den 1990ern. Spontan vergoren im Holzcuve mit Rappenanteilen. Ausbau in 500 Liter Tonneaux und Barriques. Wow, wie zart, elegant und doch auch expressiv kommt dieser Lemberger rüber! Hoch intensiv, reif und reich, aber auch mit wunderbar frischen, kühl anmutenden Elementen aus roter und blauer Frucht, sogar etwas Pfefferminze. Brombeerstrauch, Maulbeere, blaue Waldbeeren, Veilchen, rohes Fleisch, feine Lakritze. Der Mund kommt wie eine dunkelbeerige Wand angerauscht, dazu mentholig, angeflämmte Rosmarinzweige. Nach der sehr intensiven Nase erwartet man schon fast weggeblasen zu werden, aber dann wird es unglaublich fein, der Wein tänzelt förmlich über die Zunge, wirkt zart aber hat dennoch einen äußerst festen Kern. Ganz klar Stil der besten, feinen Burgenländer. Wunderbar!
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
/100
Suckling über: Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs
This youthful lemberger has stunning intensity and vibrancy, with aromas of elderberries and black currants. The structure is elegant and emphatically dry on the medium-bodied palate. The fine tannins build to an impressive crescendo in the very long finish. Needs a bit of time in the bottle to fully integrate all of this, but it’s already exciting. Drinkable now, but best from 2027.,,
/100
Weinwisser über: Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs
Überaus feiner Duft nach hellem Brombeerkompott, Wildkirschen und Schlehen mit sexy floraler Kopfnote. Vereint die fruchtige Saftigkeit des Lembergers mit der Noblesse eines feinen Burgunders, perfekt dosiertes Gewicht, ganz feinwürziges Tannin, köstliche „Süße“; großer, betörender Rotwein!
/100
Falstaff über: Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs
Röstig-getreidiger Holzeindruck, Maisflocken, Speck, Rauchfleisch, Pfefferkorn, dahinter schwarze Früchte, Teer, Zigarrenrauch. Am Gaumen mit noch forderndem, aber stimmigem Tanninrahmen, kreidige Textur, viel würziges Spiel, das ab der Mitte in die Länge führt.,,
/100
Vinum über: Lemberger Fellbacher Lämmler Großes Gewächs
Tiefdunkles Purpur in der Farbe. Die Nase zunächst reduktiv, dann Aromen von Pflaumen, Herzkirschen und Brombeeren, begleitet von einem dezenten Röstaroma. Am Gaumen zeigt sich feste dunkle Frucht, gestützt von stabilem, leicht rustikalem Tannin. Eine jugendliche Anmutung mit viel Potenzial.,,
Aldinger
In Fellbach, unweit entfernt von der Landeshauptstadt Stuttgart, befindet sich der VDP-Traditionsbetrieb Aldinger. Das älteste und bekannteste Weingut Fellbachs existiert schon seit 1492.