Das 2008 gegründete Weingut Testalonga steht mittlerweile synonym für kompromisslose Naturweine, die es immer wieder auf erstaunliche Art und Weise schaffen, den puristischen Ausdruck der Region Swartland in Weinform darzustellen.
Die Weine sind erfrischend anders. Manche davon stehen wolkig oder auch in einer außergewöhnlichen Farbe im Glas, die eventuell im ersten Moment ein Fragezeichen aufwirft. Aber sobald man den ersten Schluck nimmt, reißt man unweigerlich die Augen auf! Craigs oberstes Ziel war schon immer die Trinkfreude und Zugänglichkeit seiner Weine – und genau dafür wird er sowohl von Liebhabern klassischer, konventioneller Weine als auch von der Naturwein-Szene gefeiert. Testalonga-Weine sind ein Garant für Freude im Glas!
Die Geschichte des namensgebenden Banditen
Der Name »Testalonga« ist eine Hommage an einen rebellischen italienischen Winzer aus Sizilien, der sich über alle Konventionen hinwegsetzte und zum Entsetzen seiner Nachbarn sogar seine Rotweine wie Weißweine vinifizierte. Craig wurde von diesem Mut und der überzeugten Beharrlichkeit über alle Maßen inspiriert und fragte infolgedessen, ob er den Namen des italienischen Kollegen für sein Projekt verwenden dürfe.
Dass seine Flaggschiff-Serie »El Bandito« heißt, ist kein Zufall, denn Craig gilt als der wildeste Kerl der südafrikanischen Weinszene – der Rebell von Bandits Kloof sozusagen. Sein radikaler Minimalismus brachte ihm in der Vergangenheit nicht nur häufiger schwere Kritik der Behörden ein, sondern glücklicherweise auch weltweiten Kultstatus unter Weinliebhabern!
Die großen Lehrmeister
Craigs Herangehensweise und sein Handwerk wurden von Anfang an durch Begegnungen mit den ganz Großen geformt. Er war in seinen jungen Jahren die rechte Hand keines Geringeren als Eben Sadie, dem vermutlich größten Winzer-Talent vom Kap und einer lebenden Swartland-Legende. Zudem lernte Craig auch vom portugiesischen Ausnahme-Winzer Dirk Niepoort vor Ort im Douro-Tal. In seinem Lebenslauf kam immer eins zum anderen, und Craig konnte schließlich als Flying Winemaker bei Dorli Muhr im österreichischen Carnuntum sogar seinen Horizont mit Rebsorten wie Blaufränkisch und St. Laurent erweitern.
Die vielen internationalen Einflüsse verschmolzen auf ganz natürliche Weise mit seiner Leidenschaft für das Swartland, wo er bis 2014 als angestellter Winzer auf Lammershoek tätig war. Währenddessen konnte er einige Jahre lang nebenbei seinen eigenen Wein machen, bevor er sich schließlich gemeinsam mit Carla ganz auf das eigene Projekt konzentrieren konnte.
Die Erfüllung des Traums im »Bandits Kloof«
Am Anfang kaufte Craig hochwertige Trauben von befreundeten Bio-Winzern, bis er und Carla 2014 endlich ihr eigenes Traumanwesen entdeckten: ein 135 Hektar großer Besitz am Fuße des Olifantsberg-Gebirges, den sie liebevoll und ganz nach ihrer Philosophie »Bandits Kloof« tauften. Aller Anfang ist schwer, und so war es auch für das junge Paar zunächst mühsam: Es musste Land gerodet und es mussten viele massive Felsbrocken bewegt werden. Seit 2020 stehen hier die ersten vier Hektar eigener Reben auf kargen Granitböden, durchsetzt mit Quarz und Silica – ein spannendes Terroir.
Die Philosophie: »I’m not scared to do things differently«
Was die Testalonga-Weine so besonders macht, ist neben Trinkfluss und Salzigkeit auch ihre Spannung. Craig ist bekannt dafür, früher zu ernten als jeder andere in Südafrika. »Ich ernte nach Geschmack, nicht nach Zahlen. Wenn ich das Gefühl habe, die Balance stimmt, drücke ich ab – auch wenn ich zwei Wochen vor allen anderen im Weinberg stehe.«
Radikale Banditen oder doch Traditionalisten im Keller?
Alles läuft so natürlich wie möglich ab: spontane Gärung mit wilden Hefen, kein Schönen, kein Filtern. Die Ganztraubengärung – also Trauben mitsamt ihrer Stiele – erfolgt in offenen Tanks und der anschließende Ausbau in alten Eichenfässern von 400 bis 3.000 Litern Fassungsvermögen. Das Ergebnis ist eine knackige Säure, relativ wenig Alkohol und eine markante, salzige Mineralität, die direkt aus den Granitböden stammt. Wenn überhaupt, wird kurz vor der Abfüllung nur eine minimale Dosis Schwefel hinzugefügt, um sicherzustellen, dass die Weine die Reise gut überstehen.
Kunst im Glas und auf der Flasche
Mit 15 bis 20 verschiedenen Weinen pro Jahr – von Chenin Blanc (in manchen Fällen mit Maischegärung als Orange Wine) über Syrah bis hin zu seltenen Rebsorten – ist Craig vermutlich einer der experimentierfreudigsten (und verrücktesten?!) Winzer überhaupt.
Die Etiketten sind so bunt und laut wie der Ruf des Winzers; sie sind geziert von Street-Art, Fotografien und prägnanten Zitaten. Die »Baby Bandito«-Linie soll zudem einen zugänglichen Einstieg ins Programm bieten.
Für mich ist das Weingut Testalonga ein Statement für die Freiheit, andere Wege zu gehen. Die Weine fordern nicht nur die Geschmacksknospen heraus, sondern wecken zudem den Durst, noch mehr von der Geschichte dieses unglaublich talentierten Ehepaars zu erfahren. Die beiden haben nämlich keine Angst davor, »Banditen« zu sein, solange am Ende die Wahrheit der Herkunft und eben besonders viel Freude im Glas landet.

