Weingut Prinz: Riesling Jungfer Kabinett Große Lage 2022

Weingut Prinz: Riesling Jungfer Kabinett Große Lage 2022

BIO

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, süß
8,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2037
fruchtbetont
mineralisch
frische Säure
Lobenberg: 94+/100
Suckling: 96/100
Deutschland, Rheingau
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Jungfer Kabinett Große Lage 2022

94+
/100

Lobenberg: Die Jungfer ist eine GG-Lage, eine der Toplagen in Hallgarten, etwas oberhalb vom Oestricher Doosberg gelegen und geprägt von quarzithaltigen Böden. Nach Südwesten ausgerichtet und windoffen, ist sie etwas kühler als die Oestricher Lagen, ergibt immer auch etwas filigranere Weine mit feiner Säurestruktur. Das eignet sich ohnehin schon perfekt für diesen leichten Stil. Die Trauben konnten bis Anfang Oktober am Stock aromatisch ausreifen, ohne dabei aber ein zu hohes Mostgewicht zu erreichen. Rein im Edelstahl ausgebaut ist das ein enorm fokussiertes, archetypisches Kabinett wie aus der Vergangenheit. Die feine Würze und Reduktion in der Nase würden mich jetzt blind erstmal an die Mosel versetzen, das hat schon ein bisschen was von Schiefer. Warmer Schiefer, der vom kühlen Regen dampft. Helle Gesteinsnoten und Wiesenkräuter noch dazu. Ein Duft wie beim Spaziergang durch den Weinberg. Ultraclean, voller Fokus auf Mineralität von leicht kräutrig-floralen Anklängen umspielt. Dann kommt nochmal ordentlich Schub aus reifer Zitrusfrucht hinterher. Am Gaumen wird dieser Eindruck nur noch verstärkt, die brillant gezeichnete, zitronig anmutende Säure kleidet den gesamten Mundraum aus. Feine, süße Steinobstaromatik lässt einen aufschmatzen. Die Süße ist da, tänzelt aber Hand in Hand mit der brillanten und zupackenden Säure über den Gaumen. Nichts klebt, die Präzision ist genial. Gute Länge und feines Salz im Nachhall. Ein traumhaftes Kabinett wie aus dem Bilderbuch. 94+/100

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

96
/100

Suckling über: Riesling Jungfer Kabinett Große Lage

-- Suckling: Dazzling nose that stands on a knife edge between the lusciousness of papaya and the coolness of crisp apple! Also delicate notes of hyacinth (which of itself is not delicate!). At once succulent and energetic on the light- to medium-bodied palate, this barely off-dry riesling Kabinett is hard to resist. Whiplash energy at the extremely long finish. From organically grown grapes. Drink or hold. Screw cap. 96/100

Mein Winzer

Weingut Prinz

Innerhalb weniger Jahre hat sich Prinz mit seinem hohen Qualitätsanspruch und dieser geradlinigen Rieslingstilistik mittlerweile in der absoluten Spitzenliga des Rheingaus etabliert. Ursprünglich war Weinbau nur ein Hobby für Fred Prinz. Wie in vielen Familien der Gegend, bewirtschaftete auch seine...

Riesling Jungfer Kabinett Große Lage 2022