Weingut Eymann: Riesling Toreye Alte Reben 2022

Weingut Eymann: Riesling Toreye Alte Reben 2022

BIO

Neu

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2037
mineralisch
frische Säure
Lobenberg: 93–95/100
Suckling: 95/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Toreye Alte Reben 2022

93–95
/100

Lobenberg: Wenn bei Eymann »Alte Reben« auf dem Etikett steht, dann haben wir es auch mit richtig alten Reben zu tun! Mindestens 45 Jahre, teilweise sogar bis zu 90 Jahre alt und dann auch noch wurzelecht – das findet man wirklich extrem selten, am ehesten noch in den Steilstlagen an der Mosel, in der Pfalz aber kaum. Diese alten Reben ergeben einen konzentrierten, kräuterwürzigen Riesling mit klarer Struktur und feiner Phenolik – ein ruhiger, vielschichtiger Wein mit tiefer Herkunftsprägung. Gewachsen auf verschiedenen Parzellen rund um Gönnheim. Spontanvergoren, ein Jahr im großen Holz auf der Hefe. In der Nase zunächst zurückhaltend, dann öffnet sich ein kühles, kräutriges Aromenspektrum: Zitronenthymian, Kamille, gedörrte Limette, ein Hauch weißer Pfeffer. Darunter feine gelbe Frucht – etwas Williamsbirne, frisch angeschnittener Apfel, ein Hauch Quitte und Mirabelle. Dazu eine präzise mineralische Komponente. Zerstoßener Kalkstein, leicht salzige Anmutung. Am Gaumen straff und fein gebaut. Kein breiter Schmelz, sondern Zug und Textur. Die Säure ist reif, klar und gut eingebunden, wird begleitet von einer sehr feinen, griffigen Phenolik. Zitrusnoten und Kräuter dominieren, begleitet von einer salzigen Mineralität und subtiler Würze. Die Frucht bleibt im Hintergrund und lässt Raum für Struktur und Herkunft. Sehr schöne Länge mit ordentlichem Nachdruck und kühler Eleganz. Wirklich sehr feiner Stoff, in dem Preisbereich geradezu herausragend.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

95
/100

Suckling über: Riesling Toreye Alte Reben

-- Suckling: Deep and subtle nose of wild herbs, bergamot, candied lemons and ground stone. Simultaneously compact and graceful, with a minerality that makes it captivating from the first moment, but as the story unfolds it becomes ever more compelling. Then the great finish welcomes you to the stone garden. From vines between 45 and 90 years old. A complex blend of wines from many sites with diverse terroir that was vinified in large oak casks and bottled after almost one year on the lees. From biodynamically grown grapes with Demeter certification. Drink now.

Mein Winzer

Weingut Eymann

Wer heute in der Pfalz von biodynamischem Weinbau spricht, kommt am Weingut Eymann kaum vorbei. Was Anfang der 1980er-Jahre hier und da noch als »Exotenprojekt« belächelt wurde, ist längst zu einem festen Bezugspunkt für naturverbundenen Spitzenwein geworden.

Riesling Toreye Alte Reben 2022