Bei diesem erstmalig erscheinenden Spezial-Release von Gesine Roll auf Weedenborn handelt sich um einen Riesling Brut Nature 2015 mit entsprechend 120 Monaten Hefelager nach der Flaschengärung. Er wurde erst im Frühjahr 2026 nach ziemlich genau 10 Jahren degorgiert. Der Sekt war von Gesine von Anfang an langfristig angelegt: kein Statement für Lautstärke, sondern für Geduld, Herkunft und Entwicklung über Zeit. Rund 25 Prozent des Mostes wurden im Stückfass vergoren, der Rest im Edelstahl. Die Partie im Stückfass hat zudem eine malolaktische Gärung durchlaufen. Null Dosage, komplett pur belassen. Der Restzucker liegt bei unter 1 g/l. Der Grundwein stammt aus Westhofener Lagen, hochgelegen, auf Kalkboden gewachsen. Also genau jenes kühle, windige Terroir auf Kalksteinfelsen, das Gesine bei Weedenborn so wunderbar in ihren Weinen einfängt. Obwohl Weedenborn vor allem für Chardonnay und Sauvignon steht, ist das natürlich herausragendes Terroir für Riesling – der Morstein liegt ja direkt um die Ecke. Der Jahrgang 2015 war geprägt von Wärme und Reife, die die Berglagen von Rheinhessen aber in einen recht kühlen, eleganten Wein verpackt haben. Der Duft ist getragen von Spannung, obwohl man ihm die Reife anmerkt, er zeigt die Komplexität von gereiftem Riesling mit grüner Haselnuss, mürber Williamsbirne, weißen und gelben Blüten, Tonkabohne und auch etwas schwarze Olive. Der Mund hat viel Struktur, setzt sich am Gaumen fest mit kalkigem Grip, zeigt aber keine Opulenz, sondern bleibt kühl und klar. Die Reifenoten geben ihm Charakter und eine gewisse nussige Kante, die mir sehr gefällt. Das lange Hefelager wirkt natürlich wie ein Jungbrunnen. Wenn der Nikolaihof in der Wachau einen Sekt machen würde, würde er wohl so ähnlich schmecken, schätze ich. Das ist ein wunderbarer, in sich ruhender Schaumwein mit salziger Tiefe.