Lobenberg: Diese tiefe, balsamische Würze in der Nase ist wirklich verblüffend. Das ist wie 50 Jahre alter Balsamicoessig! Ohne jede Spur von Volatilität, aber so wunderbar würzig. Die Intensität ist berauschend mit dieser schwarzen Frucht und dieser dichten, balsamischen Würze untendrunter, mit dieser satten Lakritze! Cassis, Feige, Datteln, Speck, konzentrierte Brombeere, Blaubeerschalen, Teer. Trotzdem ist der Wein nicht fett. Seidig, elegant und fein. Einfach so köstlich ist. Der Alabaster ist eher ein Wein zum Niederknien, zum Anbeten, mit einer genialen Konzentration! *** Der Alabaster stammt von drei verschiedenen Parzellen mit 100 Prozent wurzelechten Tempranillo-Reben auf sandigen Böden und etwas Kieseln in 700 bis 900 Metern Höhe. Ein Terroir, das an Châteauneuf-du-Pape „La Crau“ erinnert und die Wärme perfekt speichern kann. Die Rebstöcke sind zwischen 110 und 120 Jahre alt und stehen in Nordexposition. Insgesamt gibt es immer nur etwa 4.000 Flaschen. Im Weingut werden die Trauben mit einem irren Aufwand per Hand entrappt, die Maische anschließend recht lange kaltmazeriert und später in offenen Edelstahlbehältern vergoren. Die Pigeage wird mit den Füßen durchgeführt, wir haben also eine extrem sanfte Extraktion. Es wird nichts gepumpt, alles wird mit Schwerkraft bewegt. Ausgebaut wird der Wein für 18 Monate in 100 Prozent neuen französischen Barriques und Tonneaus.
2024 startete mit viel Wasser ins Jahr, hervorragende Auffüllung aller Speicher. Das Frühjahr brachte immer noch Regen und manchmal Kühle, Verrieselung der Blüte und Kampf gegen Pilze. Das bedeutet insgesamt geringer Ertrag. Ein moderater Sommer war perfekt für ein frisches Ergebnis, im Spätsommer und Herbst folgten einige Regenfälle. Wer vor der zweiten Oktoberwoche mit den schweren Regenfällen alles gelesen hatte (ALLE Topwinzer lesen inzwischen spätestens Anfang Oktober) hatte ein superbes Ergebnis. Rassige, frische Weine wie 2021, Cool Climate, vibrierende Rotweine und aufregende Weißweine. 2024 ist bei den besten Winzern Spaniens ein großes Jahr wie 2021. Schlanker und kühler als das opulentere 2023, reifer und zugleich frischer als das überheiße und blockierte 2022, aufregender und vibrierender als 2018 bis 2020. In der Klasse sicher so groß wie 2016 und 2019, eher noch etwas spannender und schicker, wie gesagt mit sehr viel Parallelen zu 2021.