Eine sehr, sehr feine Nase. Und trotzdem überhaupt nicht zu vergleichen mit der Nase der Weine von Eduardo Eguren auf Cuentavinas. Wir sind hier auch durch das neue Holz und durch die kleinen Erträge in einem ziemlich wuchtigen Bereich unterwegs. Trotzdem ist der Amancio nochmal deutlich feiner als der El Bosque. Fast zärtlich streichelt er die Nase. Die Lakritze ist da, aber nicht so intensiv. Es dominiert die Minze über Eukalyptus, Feige und Assam-Tee. Schöne Süße zeigend mit etwas Blaubeere und süßer schwarzer Maulbeere dahinter. Aber nichts fettes. Etwas Tabakkiste und trotzdem ist das Holz nicht dominant. Die Frucht ist so intensiv! Eine Fülle von samtig-seidigen Tanninen überstahlt alles schon in der Nase. Der Mund changiert sofort Richtung rote Frucht mit Schlehe, Sauerkirsche und schwärzlicher Himbeere. Hohe Intensität ausstrahlend und große Frische. Kühler saftiger Antrunk. Eine geniale salzsteinige Länge. Die tiefe Verwurzelung im Untergrund ist nicht zu leugnen. Was für ein schicker Wein, multikomplex! In seiner Feinheit überstrahlt er El Bosque, aber nicht als besserer Wein, sondern nur, weil er in seiner Art sehr eigenständig daherkommt. Das ist aus meiner Sicht der erste burgundisch daherkommende Wein, auch wenn es für Burgund ein bisschen viel ist. Ziemlicher Blockbuster, aber alles bleibt sehr, sehr fein. *** Amancio kommt von einem Weinberg mit 16,5 Hektar Reben auf 490 Metern Höhe – 100 Prozent Tempranillo, 1975 von Guillermo Eguren gepflanzt. Also fast 50 Jahre alte Stöcke mit ultrakleinen Erträgen. Der Untergrund besteht aus Sand- und Kalkstein mit einer Auflage aus Lehm und Sand. Biodynamische Bearbeitung. Bosque, Amancio und La Nieta werden auf dem Weingut von 70 Studierenden der nahegelegenen Universität von Hand entrappt. Das nennen die Italiener Uno per uno und ist ein wahnsinniger Aufwand und wirklich phänomenal. Die Studierenden werden mit Wein entlohnt. Anschließend wird im Stahl spontan vergoren. Die Pigeage wird mit den Füßen durchgeführt, wir haben also eine extrem sanfte Extraktion. Ausgebaut in 100 Prozent neuen französischen Barriques. Die 16,5 Hektar Reben ergeben gerade einmal 4.000 Flaschen, geerntet wird in drei Durchgängen und es wird jeweils nur das Allerbeste selektiert. Das ist schon ziemlich extrem.
2024 startete mit viel Wasser ins Jahr, hervorragende Auffüllung aller Speicher. Das Frühjahr brachte immer noch Regen und manchmal Kühle, Verrieselung der Blüte und Kampf gegen Pilze. Das bedeutet insgesamt geringer Ertrag. Ein moderater Sommer war perfekt für ein frisches Ergebnis, im Spätsommer und Herbst folgten einige Regenfälle. Wer vor der zweiten Oktoberwoche mit den schweren Regenfällen alles gelesen hatte (ALLE Topwinzer lesen inzwischen spätestens Anfang Oktober) hatte ein superbes Ergebnis. Rassige, frische Weine wie 2021, Cool Climate, vibrierende Rotweine und aufregende Weißweine. 2024 ist bei den besten Winzern Spaniens ein großes Jahr wie 2021. Schlanker und kühler als das opulentere 2023, reifer und zugleich frischer als das überheiße und blockierte 2022, aufregender und vibrierender als 2018 bis 2020. In der Klasse sicher so groß wie 2016 und 2019, eher noch etwas spannender und schicker, wie gesagt mit sehr viel Parallelen zu 2021.