Seckinger: Chardonnay Kapellenberg Große Lage 2023

Seckinger: Chardonnay Kapellenberg Große Lage 2023

BIO

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2043
mineralisch
frische Säure
unkonventionell
Lobenberg: 98/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Kapellenberg Große Lage 2023

98
/100

Die Burgunder von Seckinger wachsen alle nicht in und um Deidesheim, sondern in Maikammer, etwas südlicher in der Pfalz. Die Lagen hier sind noch eher unbekannt, eignen sich aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit aber extrem gut für Burgundersorten. Der Kapellenberg liegt in der Nähe des Hambacher Schlosses und ist von massivem, sehr kargem Kalkstein im Oberboden und mergeligem Ton im Untergrund geprägt. Die Seckingers haben hier verschiedene Chardonnay-Reben gepflanzt, teils aus der Champagne und teils aus dem Burgund stammende Genetik. Obwohl die meisten Reben im Kapellenberg erst knapp zehn Jahre alt sind, ergeben sie schon einen sehr dichten, zupackenden und vibrierenden Wein von beeindruckender Tiefe. Ausbau komplett in neuen Burgunderbarriques der Tonnellerie François Frères. Schon die Nase vom 23er ist unglaublich dicht und fein zugleich, geprägt von hoher Frische, Steinigkeit und reduktiver Spannung. Rauch, Feuerstein und schon wirklich salzige Noten von Austernschale. Dazu Salzzitrone, gelber Apfel, Quitte, etwas Aprikose und Brioche. Am Gaumen überrascht mich wieder diese geniale Dichte und Tiefe – der Beweis, dass auch junge Reben für ordentlich Dampf und Konzentration sorgen können. Wieder Apfel und Quitte, zupackender Säurenerv, dazu viel kalkige Mineralität und Salz bis zum abwinken. Wunderbar griffig texturiert. Wieder ein großartiges Spiel der Texturen. Blind wäre es für mich erstmals ein klarer Puligny-Montrachet! Langer, komplexer Nachhall aus salziger Mineralität, die im Finale nochmal in dezente Cremigkeit umschwingt. Was für eine geniale Interpretation eines Pfälzer Chardonnay von diesem noch so unbekannten Terroir.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Mein Winzer

Seckinger

Kompromisslos trockene, naturbelassene Weine mit sehr eigenständiger Handschrift – dafür stehen die Weine von Seckinger aus Niederkirchen bei Deidesheim. Die drei Brüder interpretieren das Terroir auf ihre Art avantgardistisch, wobei die Weine aber im Kern stets echte »Pälzer« bleiben. In der...

Chardonnay Kapellenberg Große Lage 2023