Salwey: Chardonnay Steingrubenberg Großes Gewächs 2022
- Chardonnay 100%
- weiß, trocken
- 12,5% Vol.
- Trinkreife: 2028–2047
- mineralisch
- frische Säure
- Lobenberg: 96/100
- Parker: 95/100
- Falstaff: 96/100
- Deutschland, Baden
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Salwey GbR, Stephanie & Konrad Salwey, Kirchweg 11, 79235 Vogtsburg/Niederrotweil, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Steingrubenberg Großes Gewächs 2022
/100
Die Lage Steingrubenberg hat Konrad Salwey quasi wiederbelebt. Im Zuge des reformierten Weingesetztes wurde sie nämlich 1970 dem Henkenberg zugeordnet, obwohl die Lage eigentlich sehr eigenständig ist nichts mit dem Henkenberg zutun hat. Der Steingrubenberg liegt am Ortsausgang von Oberrotweil Richtung Bickensohl und hat eine Exposition nach Osten. Er ist sehr steinig, mit verwittertem, porösem Vulkangestein. Zuvor hat Salwey hier noch ein Weißburgunder GG erzeugt, aber mit dem Jahrgang 2020 feiert dieser Wein nun seine Premiere als Chardonnay. Die Chardonnay-Reben waren Konrad vorher einfach noch etwas zu jung um sie als Großes Gewächs zu füllen, weshalb der Ertrag bisher in den Ortswein ging. Wie alles bei Salwey natürlich selektiv per Hand gelesen. Pressung mit hoher Gerbstoffauslösung. Vergoren ohne Vorklärung oder Sedimentation, zügig bei moderaten Temperaturen mit natürlichen Hefen im großen Holzfass. Anschließender Ausbau auf Vollhefe über 30 Monate im Fass und noch einmal sechs Monate im Edelstahl. Unfiltriert abgefüllt. In der Nase haben wir hier eine wunderbare Tiefe und Komplexität. Sehr feine, gelbe Frucht von Aprikose und Amalfizitrone. Darüber liegt ein Rauchschleier, aber nur dezent, der Chardonnay ist nicht ganz so reduktiv wie manch andere Weine von Salwey. Dann kommt dunkle, steinige Würze dazu. Etwas schwarzer Pfeffer und geröstete Mandel. Am Gaumen geht es mit guter Tiefe und Struktur weiter. Viel salzige Mineralität trifft auf eine präzise, aber dabei nicht karge Säurestruktur. Saftige Amalfizitrone gibt hier den Ton an, auch wieder Aprikose. Dazu kommt etwas Mandel und Salbeibutter. Sehr lang mit griffiger Tanninstruktur und auf einer kristallinen Salzspur ausklingend. Dass Konrad Salwey Chardonnay kann, beweist er schon lange mit seinem großartigen Ortswein. Das hier ist jetzt noch mal eine Spur komplexer und wird sich sicher toll entwickeln über die kommenden Jahre.
Jahrgangsbericht
All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.
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Parker über: Chardonnay Steingrubenberg Großes Gewächs
Konrad Salwey's 2022 Chardonnay Steingrubenberg GG comes from vines planted in the 1980s and in 2008. The site is located on the outskirts of Oberrotweil in the direction of Bickensohl and faces east on a very stony terroir built of weathered, porous volcanic rock. This vivid yellow Chardonnay is deep, intense and concentrated on the nose and intertwines lemony nuances and aromas of ripe yellow fruits with slightly flinty notes of crushed stones. All in all, this has a very generous yet precise, fascinatingly intense and (fruit) fleshy nose. On the palate, the Steingrubenweg is generous, vital and finessed, very dense and complex, with a savory finish that reveals serious tannins reminiscent of Pinot Noir. This full-bodied Chardonnay, produced since the 2020 vintage, is a noble textured, finely juicy and persistently saline white from a beautiful vineyard with great potential. Natural cork. Tasted in October 2025.,,
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Falstaff über: Chardonnay Steingrubenberg Großes Gewächs
Frische Zitrusfrucht im Duft, Mandarine, Blutorange, kühl und mit feiner Würze, frische weiße Mandeln. Feingliedriger und druckvoller Gaumen mit guter Balance aus geschmeidigem Fond, frischem Säurenerv, seidiger Phenolik und mineralisch-salziger Prägung zur klaren Frucht, Langstreckenläufer.,,
Salwey
Konrad Salwey hat auf seinem Familienweingut in Oberrotweil am Kaiserstuhl neben Friedrich Keller sicher die spannendste Entwicklung der letzten Jahre hinter sich. Salweys Weine bersten vor Spannung… und das ist am Kaiserstuhl eine Leistung.