Obwohl ich ein Turmberg-Typ bin bei den restsüßen Weinen, sieht es im Auslese und Spätlese-Bereich dieses Jahr anders aus. Der Gräfenberg ist schon eine Wucht! 2024 war ein regenreicherer und kühlerer Jahrgang, der eine wunderbare Eleganz und Stringenz hat. Es ist stilistisch nicht so weit vom herausragenden 2023 entfernt, genauso kristallin und strahlend, nur noch feiner, noch kühler, noch zwingender. 2024 ist ein Fest für Liebhaber von urklassischem Rhein-Riesling mit der Brillanz der Moderne. Es war extrem schwierig überhaupt eine TBA in 2024 zu ernten, ich habe an der Mosel keine einzige zu probieren bekommen dieses Jahr. Aber Großmeister Weil lässt seine Serie nicht abreissen. Wir sind mit 185 Oechsle nicht zu hoch, sondern ganz fein. Das ist eine berauschende TBA in ihrer Finesse und Klarheit. Es ist keine wuchtige, brutale TBA, sondern eine himmlische Versuchung. Nach den Blockbustern aus 2023, die fast überwältigend waren, ist 2024 der schönere, zugänglichere und verspieltere Jahrgang, selbst in den höchsten Prädikaten. Ob man nun die Kraft von 2023 oder diese unendliche Feinheit von 2024 bevorzugt, beide sind Weltklasse. Besser geht Süßwein aus dem Rheingau wahrscheinlich nicht mehr.