Lobenberg: Montefico liegt an der Grenze zu Neive und ist sozusagen der südlichste Teil der Parzelle Ovello. Die Lage liegt auf 200 bis 250 Höhenmetern und zwischen ihr und dem Fluss Tanaro liegt ein hoher Berg. Das heißt, es gibt eine totale Abschottung gegen das Mikroklima des Tanaro und damit keine Einflüsse des kühlen, feuchten Flusses. Montefico ist eine sehr kleine Lage, sehr kompakt und komplett nach Süden exponiert. Sie besteht aus nur fünf Hektar Rebfläche, die Reben stehen auf weißem Lehm. Insgesamt liefern nur drei Erzeuger ihre Trauben an die Produttori ab. Der Montefico ist das Gegenstück zum Rio Sordo, der so extrem fein, leicht und filigran ist. Montefico ist aufgrund seiner Lage, der Böden und der Hitze das komplette Gegenteil. Das ist die Power schlechthin. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und im Stahltank vergoren. Im darauffolgenden Mai kommt der Wein dann ins Holz. Der Ausbau erfolgt drei Jahre lang in großen, französischen Holzfässern, die kleinsten davon fassen 2.500 Liter, die größten 5.000 Liter. Einmal pro Jahr wird der Wein abgezogen und in ein frisch gereinigtes Fass gefüllt. Am Ende der drei Jahre ungeschönt abgefüllt. Der Wein wird mit beinahe einem Jahr Flaschenreife auf den Markt gebracht. Das gehört zur Philosophie der Produttori, selbst der Langhe Nebbiolo genießt hier ein paar Monate Flaschenreife, bevor er released wird. Leuchtendes Rubinrot. Nach dem zuvor probierten, monumentalen Montestefano erscheint der Montefico im ersten Moment wie ein Leichtgewicht. Tiefe, dunkle Beeren-Nase mit Waldbeeren, reifen Schwarzkirschen, einem Hauch Marzipan, Hibiskus und Pflaumen. Bei jedem Riechen am Glas wird der Wein immer »weiniger«. Etwas blonder Tabak mit Herbstwald, gelben Blüten und einem Hauch Kamille. Eine herrlich schöne, herbstliche Nase mit all dieser wunderbar vielschichtigen Würze. Im Mund trifft dann beinahe überwältigend intensive, rote Kirsche mit den vielen geschliffenen Tanninen auf die Zunge. Der Wein ist saftig bis zum Abwinken! Knackige rote Johannisbeere mit roten Kirschen, einem zarten Hauch Vanille. Die Struktur ist wie in allen Weinen der Produttori auch hier im Jahrgang 2021 total monumental, dicht und schiebend. Aldo Vacca, der CEO der Produttori del Barbaresco, vermutet, dass die 2021er für ein paar Jahre »dicht machen werden«. Wie das auch große Pinots aus großen Jahren hin und wieder tun, neigt auch die Nebbiolo manchmal zu so einer Reduktion. 2021 wird später zugänglich sein als der noch deutlich saftigere Jahrgang 2020. Ein schwebender Gruß aus Barbaresco und ein Wein, der in seiner Vielschichtigkeit ergründet werden möchte.