Die Cru Lage Vignarionda ist ein absolutes Powerteil und liefert Serralunga Terroir in Reinform. Die 0,7 Hektar große Parzelle der Familie Oddero ist am oberen Ende, nahe der 360 Meter hohen Hügelspitze gelegen. Die Reben wurden größtenteils 1972 und 1983 von den Vorbesitzern gepflanzt. Die Odderos machten den Wein erstmals 1985 und pflanzten zuletzt 2007 neue Rebstöcke im unteren Teil ihrer Parzelle. Wie alles bei Oddero in penibler Handlese geerntet – nur kerngesunde Trauben kommen ins Fass. Die Trauben werden größtenteils entrappt, das Weingut verwendet ungefähr 10 Prozent Ganztrauben für die Cru Lagen. Nach 25-30 Tagen auf der Maische 36 Monate lang in österreichischen Stockinger Eichenfässern ausgebaut. Nach der Abfüllung folgt ein langes Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Das monumentale Serralunga Terroir braucht immer etwas länger, bis der Wein zugänglich wird, daher entscheidet die Familie je nach Jahrgang, wie lange der Wein noch im Keller bleibt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange am Rand. Die Nase ist opulent und tief. Reife, süße Erdbeere mit Himbeere und Orangenabrieb. Eine mineralische, kalkige und zart rauchige Nase, die durch Aromen duftender, getrockneter Blüten auch etwas verspielt wirkt. Der Wein hat etwas Anmutiges, Großes und Erhabenes – die Serralunga-Power kommt voll zum Tragen. Die Tannine sind jedoch bereits überraschend sanft und integriert. Hier kommt eben der magische Fingerabdruck der Familie Oddero zum Tragen. Im Mund trifft Pfirsich, Aprikose und Orangensaft neben Kirschen und roten Johannisbeeren auf die Zunge. Die rauchige Mineralität bleibt mit all der saftigen Frucht auf der Zunge. Mächtige Lakritz und weißer Pfeffer hallen nach. Das ist der eleganteste Vignarionda, den ich je probiert habe – und das aus diesem großen Jahr. In seiner Saftigkeit und dem Aromaprofil erinnert er an eine imaginäre Mischung aus der sizilianischen Nerello Mascalese und Nebbiolo. Krasse! Oddero steht eben für absolute Feinheit, selbst in Serralunga. Das kommt unter anderem daher, dass das Weingut eine späte Lese bevorzugt und die Tannine somit extra reif sind. Zudem ist auch der Ausbau im großen Holzfass das elegante Gegenstück zum mächtigen Vignarionda der Familie Pira.