Oddero: Barolo Monvigliero 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 14,5% Vol.
- Trinkreife: 2028–2045
- seidig & aromatisch
- pikant & würzig
- strukturiert
- Lobenberg: 97–98+/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Poderi e Cantine Oddero, Fraz. Santa Maria Tetti 28, I-12064 La Morra CN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Monvigliero 2022
/100
Die Lage Monvigliero rückt mehr und mehr in den Fokus, denn in den letzten Jahren konnte sie ihren Status in der »Pole-Position« der herausragendsten Eleganz-Terroirs der Region Barolo weiter festigen – das beweisen neben Oddero auch die Fratelli Alessandria und das Weingut Vietti. Die Lage passt eben wie maßgeschneidert zu Winzern, die voll auf Eleganz abfahren. Unter den ultra vielschichtigen, verführerischen, duftenden Weinen von Oddero versetzt mich dieser Wein in eine regelrechte Genuss-Extase. Die 0,7 Hektar große Parzelle des Weinguts ist im Herzen der Lage und in direkter Nachbarschaft zu der des Weinguts Burlotto gelegen. Sie ist das neueste Projekt und wurde 2017 von der Familie Oddero durch den Drive der Cousins Isabella und Pietro gekauft. Beinahe die Hälfte aller Rebstöcke wurde seither neu mit den hochwertigen Klonen aus der Massale Selection der Familie aus den Lagen Rocche di Castiglione und Vignarionda in Serralunga bepflanzt. Die andere Hälfte der Reben ist sehr alt und wurde schon in den 1950er Jahren gepflanzt. 2020 war der erste Jahrgang, der als Einzellage auf den Markt gebracht wurde. Davor gingen die Trauben in den Barolo Classico. Während dieser Zeit lernte die Familie das Terroir und das Mikroklima besser kennen. Die Nähe zum Fluss Tanaro verleiht der Barolo Lage ein ganz ähnliches Mikroklima wie dem Barbaresco Gallina. Das Amphitheater ist in perfekter Südausrichtung gelegen, also eigentlich eine sehr warme Parzelle, aber durch den Fluss ist immer auch etwas Feuchtigkeit in der Luft. Der Boden besteht aus Kalkstein und sandigem Schluff. Die Trauben wurden am 3.Oktober 2022 gelesen. Der Wein wurde dann 18 Tage lang – dieses Jahr also deutlich kürzere Zeit als der Barolo Classico – auf den Traubenschalen mazeriert. Der Ausbau erfolgte 23 Monate lang in französischer Eiche des burgundischen Küfers Marc Grenier. Am 10. Juni 2025 wurden ungefähr 2.000 Flaschen abgefüllt. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Wunderbar duftende, schwebende Nase. Reife Erdbeeren und Kirschen, aber alles sehr schwebend, sehr zart. Mit zarten braunen Gewürzen wie Pfeffer, Muskatnuss und etwas Sternanis, weißen Rosen, rauchigem Teer und weißer Schokolade. Der Stoff hat eine überraschende, mineralische Tiefe! Im Mund trifft präzise, perfekt ausgereifte rote Kirsche, Erdbeere, ein Hauch Blaubeere und Veilchen ganz, ganz schwebend auf die Zunge. Perfekte Harmonie aller Komponenten im Mund. Die zarten Tannine sind puderzucker-fein und im harmonischen Spiel mit der wunderbaren, saftigen Frische. Orangenzeste und rote Johannisbeere tänzeln schwebend über die Zunge. Einer der zartesten Weine des Jahrgangs mit intensivem mineralischem Nachhall. Dieser Monvigliero ist wirklich ultra elegant und verträumt. Zarte Kräuter, aromatisch duftender Himbeerstrauch und schwebende, weiße Würze, auch etwas Blutorange tragen zur herrlichen Frische bei. Das ist wahrscheinlich der eleganteste und puristischste Monvigliero, den es dieses Jahr gibt, die Intensität dieser Mineralik haut mich fast um – dieser Wein ist unbeschreiblich schön in seiner Feinheit und Finesse. Momentan macht das Weingut aufgrund der jungen Reben weniger als 2.000 Flaschen und schöpft nicht das volle Potenzial der Rebfläche für die Einzellagen Abfüllung aus. Burgundische Finesse mit Turbo-Aromatik – ein wirklich phänomenal schönes Wein-Erlebnis und ein zart schwebender Vosne-Romanée aus Barolo.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
Oddero
Das alteingesessene Familienweingut Oddero ist alles andere als eingestaubt! Die siebte Generation zählt zu den Winzer-Rockstars der Region Barolo.