Oddero: Barolo Brunate 2022

Oddero: Barolo Brunate 2022

Holzkiste

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2040
Verpackt in: 6er OHK
seidig & aromatisch
strukturiert
voluminös & kräftig
Lobenberg: 97–98/100
Suckling: 96/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Brunate 2022

97–98
/100

Die 0,4 Hektar große Parzelle des Weinguts in der begehrten Lage Brunate liegt auf 380 Höhenmetern in Südostausrichtung. Die kerngesunden Reben sind mindestens zwischen 50 und 60 Jahren alt, gemeinsam mit der Parzelle in der Lage Rocche sind das die ältesten Reben der Familie Oddero. Wie alle Lagen wird auch der Brunate seit 2008 biologisch bearbeitet. Penible Handlese – nur kerngesunde Trauben kommen ins Fass. Die Trauben werden größtenteils entrappt, je nach Jahrgang übrigens sogar von Hand! In alle Einzellagen gehen ungefähr 10 Prozent Ganztrauben, also mitsamt der Rappen, da diese zur Frische und Aromatik des Weins beitragen. Nach in der Regel 25-30 Tagen auf der Maische wird der Wein 24 Monate lang im 20 hl großen Fass aus französischer Eiche ausgebaut. Nach der Abfüllung folgt beinahe ein weiteres Jahr Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Brunate ist immer einer der letzten Weinberge, der bei Oddero gelesen wird, denn die Lage ist aufgrund ihrer Höhe etwas kühler. Am 3. Oktober 2022 wurden alle Trauben eingebracht. Der Wein wurde dann 20 Tage lang auf den Traubenschalen mazeriert, also etwas kürzer als sonst. Der Release wird im Mai 2026 sein. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Dichte, schiebende, konzentrierte Kirsche mit schwebender ätherischer Würze. Ein Hauch Minze und zarte Vanille – der Wein ist sogar noch feiner und noch mehr abgehoben in der Nase als die anderen Weine des Weinguts, alles ist ultimativ schwebend. Ein zarter Traum in Weinform mit Aromen von perfekt ausgereiften Brombeeren, Schattenmorellen und Blaubeeren, duftiger Brombeerstrauch mitsamt den grünen Blättern und Blutorange. Schon allein beim Riechen liefert dieser Stoff viel wunderbar attraktive, samtig verwobene Duftigkeit. Dunkles Gesteinsmehl und Gewürze, Lakritz, Nelke und auch ein Hauch Anis. Im typischen Oddero-Stil ist alles wie gesagt ultimativ schwebend und dieser Wein der Inbegriff der komprimierten Eleganz. Brunate hat dieses Jahr die dunkelste Aromatik aller Oddero Weine, die anderen Lagen sind trotz der Wärme des Jahrgangs 2022 eher rotfruchtig, Brunate geht in die blaue und schwarze Fruchtrichtung. Die harmonische Spannung und Balance im Mund kommt dann als Überraschung, der Wein changiert am Gaumen von dunkler zu roter Frucht. Perfekt ausgereifte, knackige rote Kirsche mit Blutorange und klirrend frischen roten Johannisbeeren. Die Tannine sind mächtiger strukturiert als die der davor probierten Villero und Rocche. »Brunate ist der Serralunga aus La Morra« kommentiert Isabella Oddero schmunzelnd. Pudrig und geschliffen gleiten diese Tannine über die Zunge und hinterlassen im saftigen Nachhall neben Aromen von weißem Pfirsich wieder dunkle Noten von Brombeere, Lakritz, zart schwebender brauner Gewürze und Vanille. Ein wunderbarer Wein der Eleganz mit mineralischem Kalkstein-Finish! Imposant und eindrucksvoll, dabei aber gar nicht offensichtlich, sondern beständig und in herausragender Balance. Dieser Brunate ist im Grunde genommen wieder ein Barolo-Musigny »Les Amoureuses«. Leider ist er von allen Oddero Weinen der Rarste – es werden pro Jahr maximal 2.000 streng zugeteilte Flaschen gemacht.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Barolo Brunate

A complex, vibrant wine full of savoriness, showing dark cherries, strawberries, restrained rhubarb and sweet violets. Full-bodied but fresh, with elegant tannins, good ripeness, velvety texture, crisp acidity and a focused finish. Drinkable now yet powerful enough for the long haul. Try from 2027.,,

Mein Winzer

Oddero

Das alteingesessene Familienweingut Oddero ist alles andere als eingestaubt! Die siebte Generation zählt zu den Winzer-Rockstars der Region Barolo.

Barolo Brunate 2022