Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Die letzte Spätlese trocken aus der Wehlener Sonnenuhr hatte Molitor 2020 gemacht, danach gab es lange keine mehr und jetzt kommt mit 2024 diese Kategorie zurück – und wie! Schon die Nase ist so typisch Wehlen, so duftig, blumig, reich und harmonisch. Einfach schick. Man kann diese Lage mit nichts verwechseln, so ikonisch ist ihr Lagencharakter. Der Mund ist ein Ausbund an Finesse, alles ist viel zarter und sanfter als in der mineralisch-brachialen Zeltinger Sonnenuhr, hier ist es nur schwebende Feinheit. Sogar die Salzigkeit strahlt viel feiner über die Zunge, kommt nicht so mittig durchgeschossen, sondern legt sich wie ein geschmeidiger Schleier über den Gaumen. Etwas Quittenbirne, Zitronentarte, Lemongras, Veilchen und Safran. Das ist so ziemlich die perfekte trockene Mosel-Spätlese, wenn man es etwas feiner mag. Wer mehr Kick und Aufregung sucht, sollte nach Zeltingen gehen. Gott, ist das ein feiner Saft, soooo schwebend. Ein Traum.