Markus Molitor: Riesling Erdener Treppchen Spätlese Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Erdener Treppchen Spätlese Weiße Kapsel 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
10,5% Vol.
Trinkreife: 2030–2053
frische Säure
leicht & frisch
Lobenberg: 95–96+/100
Suckling: 93/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Erdener Treppchen Spätlese Weiße Kapsel 2024

95–96+
/100

Das Treppchen in Erden steht auf purem Schiefergestein und ist eine der spektakulärsten Lagen der Mittelmosel, direkt an den Prälat angrenzend, das ist ein atemberaubender Landstrich hier. Diese Ecke bis zum Bernkasteler Doctor ist mythisch zurecht überhöht, denn das sind die größten Lagen der Mosel. Die Weine aus Erden sind häufig ähnlich charaktervoll wie die Graacher-Himmelreich-Weine. Es ist verblüffend. Die besten Lagen ziehen sich durch alle Qualitäten. So jetzt auch in den Spätlesen. Wieder das Erdener Treppchen, wieder Zeltingen. Aber die Weine sind eben so herausragend. Das Treppchen – zeigt wie schon der Kabinett zuvor – eine sehr intensive Steinigkeit und dann warme, feine Frucht. Total charming. Man wird eingelullt von diesem zarten Blüten-Mierabellenduft, etwas zitrischer Kubebenpfeffer steigt in die Nase, auch Pfefferminze. Schöne Schärfe und wie in allen 2024er Molitor eine grandiose Definition. Ganz sauber und klar definierte Kanten, alles passt. Im Mund auch frisches Bergwiesenheu und gelber Apfel. Köstlich, saftig und verspielt. Die zarte Restsüße macht aus dem Puristen dann ein mineralisches, frucht-intensives Leckerli. Das macht Freude und ich glaube, dass man diese Spätlese eher mit Genuss trinken kann als das extremistischere Kabinett. Ein sehr schöner Wein.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

93
/100

Suckling über: Riesling Erdener Treppchen Spätlese Weiße Kapsel

Complex aromas and flavors of aniseed, tarragon and fennel on the barely medium-bodied but well-structured palate. Crushed rock minerality in the firm finish. Drink or hold.,,

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Erdener Treppchen Spätlese Weiße Kapsel 2024