Markus Molitor: Riesling Erdener Treppchen Kabinett Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Erdener Treppchen Kabinett Weiße Kapsel 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
9,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2044
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 93–94/100
Suckling: 92/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Erdener Treppchen Kabinett Weiße Kapsel 2024

93–94
/100

Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Und gerade im Kabinett-Bereich ist das natürlich ein Segen. Die niedrigen Alkoholgrade bei dennoch hoher aromatischer Reife sind ein Traum für diese Kategorie, genau was man sich wünscht als Winzer. Das Treppchen in Erden steht auf purem Schiefergestein und ist eine der spektakulärsten Lagen der Mittelmosel, direkt an das Prälat angrenzend, das ist ein atemberaubender Landstrich hier. Diese Ecke bis zum Bernkasteler Doctor ist mythisch zurecht überhöht, denn das sind die größten Lagen der Mosel. Jahrgangsspezifisch eine feine Schiefrigkeit, sehr fokussiert, wie in Stein gemeißelt. Mit etwas Luft dann weiße Blüte, Apfelblüte, Lindenblüte, floraler und zarter als 2023, auch weißer Pfirsich und Weintraube, knackiger Granny Smith mit seiner feinen, animierenden Säurespur – und dann kommt immer mehr Grapefruit, typisch für diese Ecke in Erden. Die warme, cremige Zitrusfrucht mit rötlichem Einschlag. Nach dem Mundeintritt, habe ich nochmal aufs Etikett geschaut: 9.5% nur vol. Alkohol in der weißen Kapsel, nicht knalltrocken natürlich, aber geschmacklich schon ziemlich trocken durch die hohe Mineralität und den steinigen Grip als Gegenspieler. Wie kann ein so leichter Wein diese hohe Intensität und diese Länge erzielen? Das ist Weltklasse in einer Filigranität und saftig-verspielten Leichtigkeit, wie es nur die Mosel kann. Im Mund auch Boskoop und Mandarine, etwas Kumquat. Ein köstlicher kleiner Schiefer-Saft, in dem viel mehr steckt als es scheint. Gerne auch mal ein paar Flaschen 10 Jahre liegen lassen, Sie werden staunen!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

92
/100

Suckling über: Riesling Erdener Treppchen Kabinett Weiße Kapsel

How can a dry white wine with just 9.5% alcohol have this much crisp-pear and aniseed character? Only the Mosel can pull off this minor miracle. Of course this is light-bodied, but it is remarkably long with an intensely stony finish. Drink or hold.

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Erdener Treppchen Kabinett Weiße Kapsel 2024