Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Saar stellenweise drastische Frostverluste, sodass die Mengen teils sehr klein ausgefallen sind. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Dieser Wein besteht größtenteils aus Material vom Saarburger Rausch und Ockfener Bockstein. Hier ist das Beste drin, was die Saar zu bieten hat. Wir haben die feine Schieferigkeit der Saar, dieses unglaublich verspielte. Es ist ein Mittelding aus Zilliken und Lauer, also mit einem kleinen bisschen mehr Druck in der Stilistik. In der Nase ein ganz zarter Riesling, aber mit Tiefgang. Weißer Pfirsich und ein kleiner Hauch Litschi und Melone, köstlich verspielte Frucht. Das ist das Verblüffende an 2024, einerseits sind die Weine diese kühlen mineralgetriebenen Steinweine und andererseits zeigen sie eine so verspielte und offene Frucht. Ich bin immer wieder überrascht. Im Mund ist der Alte Reben Saar eine Salzexplosion, der Schiefer zieht sich über die ganze Zunge, dann kommt etwas Honigsüße darüber, Bienenwachs, Cassis und erfrischendes Menthol im Nachhall. Das ist wie eine feinere Version von 2008, extrem elegant und schon in der Jugend sehr zugänglich durch diese schicke Seidigkeit. Wir haben hier eine trockene Spätlese in der Finessenversion mit grandioser Preisleistung. Ich kann mich kaum entscheiden, ob die zarte Salzigkeit des Alte Reben Saar oder die expressive Power des Alte Reben Mosel mich mehr begeistert. Letztes Jahr war es klar die Mosel, dieses Jahr ist auch die Saar echt fein.
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!