Markus Molitor: Riesling Alte Reben Mosel Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Alte Reben Mosel Weiße Kapsel 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
10,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2049
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 95+/100
Suckling: 93/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Alte Reben Mosel Weiße Kapsel 2024

95+
/100

Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Für den Alte Reben Mosel beträgt das Durchschnittsalter der Stöcke 60 bis 80 Jahre. In diesem Wein stecken durchweg Spätlese und Auslese-Qualitäten aus 6 bis 7 verschiedenen Top-Lagen, die mengenmäßig zu klein sind, um sie separat abzufüllen. Das würde das ohnehin schon große Programm nur weiter unnötig aufblähen. Außerdem sind die Alten Reben von Saar und Mosel Markus’ absolute Exportschlager im Ausland und seine internationalen Brot-und-Butter-Weine. Das ist der qualitative Einstieg in die **-und ***-Weine, große Qualitäten aus Wehlen, Graach, Ürzig, Erden, alles in einem Wein gebündelt zu einem Power-Mosel-Exemplar. Die Alten Reben bei Molitor liegen qualitativ oberhalb der Spätlesen und kurz vor den Auslesen. Preislich liegen sie unter den Spätlesen, weil sie keine Einzellagen-Bezeichnung haben. Eine ziemlich perfekte Selektion aus diesen verschiedenen Weinbergen und von Molitor selbst deutlich oberhalb der Spätlesen angesiedelt. Entsprechend ist dieser Stoff immer ein Top-buy, sehr viel Wein fürs Geld. Der 2024er besticht durch seine kühle Schiefrigkeit und eine sehr feine, ausgewogene Frucht, die nie laut ist. Nicht so krachend wie 2023, sondern eleganter ausgeprägt. Erinnert mich etwas an 2016 oder 2012, ebenfalls harmonische Jahre. Straffe hellgelbe Frucht mit schönem Druck dahinter, Amalfizitrone, Toffee, Ananas und Sternfrucht, weißer Tee. Er ist auch deutlich kräuteriger als der Alte Reben Saar. Auf der Zunge viel Druck aufbauend. Nicht so tänzelnd wie die WK Kabinette natürlich, einfach mehr schiebend. Beeindruckend. Schon eine ziemlich ideale Spätlese trocken in dieser cremigen, komplexen Reichhaltigkeit, ohne jedoch fett zu sein. Das könnte schon bei dem ein oder anderen Moselaner Winzer als Großes Gewächs durchgehen. In jedem Jahr ein super Wert.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

93
/100

Suckling über: Riesling Alte Reben Mosel Weiße Kapsel

Brimming with stone fruit and spices, this dry Mosel wine has ample substance but a cool personality on the beautifully proportioned, medium-bodied palate. Lovely wet-stone freshness in the long, quite firm finish. Drink or hold.,,

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Alte Reben Mosel Weiße Kapsel 2024