Markus Molitor: Pinot Noir Trarbacher Schlossberg ** 2022

Markus Molitor: Pinot Noir Trarbacher Schlossberg ** 2022

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2038
pikant & würzig
fruchtbetont
Lobenberg: 95–97/100
Galloni: 92/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
92
/100

Galloni über: Pinot Noir Trarbacher Schlossberg **

Die Parzelle ist winzig klein und fällt in vielen Jahren dem Frost oder den Wildschweinen zum Opfer, sodass Molitor hier nicht jedes Jahr in den Genuss kommt das volle Potenzial der Trauben auszuschöpfen – aber wenn es dann soweit ist, dann gehören die Pinots aus dem Schlossberg mit zum Spannendsten überhaupt, weil sie so individuell sind. Das Schöne bei den verschiedenen Lagen Molitors ist, dass wir so unterschiedliche Ausdrücke haben. Wir haben immer Schiefer, aber die Expression der Frucht unterscheidet sich doch sehr deutlich. Den Schlossberg gab es zuletzt 2019 als ***-Variante, dann zwei Jahre nicht und jetzt in 2022 als preislich sehr attraktive Zwei-Sterne-Version. Als Zweisterner gab es ihn zuletzt 2014. Das ist für uns Kunden ein gigantisches Plus, denn was man hier ins Glas bekommt, ist Pinot Noir Oberliga. Schon der Duft erinnert an einen großen Gevrey-Chambertin mit einem Touch Chambolle. Diese satte, reiche, tiefe Waldbeerenfrucht mit Brombeere, Blaubeere, Schlehe, dunklem Stein, Nelkenpfeffer. Der Wein ist expressiv und offenherzig, nimmt den Trinker sofort in den Arm mit seiner warmen Würze. Und doch bleibt die kühle, stringente Art des Schiefers erkennbar und zieht sich wie ein Faden durch bis ganz nach hinten. Nein, es ist kein Kalkstein-Burgunder, das ist klar, dafür hat er zu viel Würze und Feuerstein. Aber der Mund ist so seidig, so beerig-fein und köstlich harmonisch in seiner unbändigen Tiefe, wie es nur wenige deutsche Winzer hinbekommen. Daher passt der Vergleich mit dem Burgund schon gut, denn der Hedonismus und die Gourmandise zeichnen diesen Pinot zuallererst aus. Wahnsinnig viel Tannin im dunklen, brodelnden Nachhall, die Zunge wird belegt, alles wird salzig, graphitig, beerig-süß und herbwürzig zugleich. Das ist ein grandioser Wert für dieses Geld, da muss man sich außerhalb Deutschlands schon weit strecken, um etwas für rund 50 Euro in dieser Qualität ins Glas zu bekommen. Der Schlossberg hat immer eine ganz eigene Art, ist total anders als die Brauneberger Lagen. Er kommt mir meist mineralischer und steiniger vor als das Himmelreich in Graach. In 2022 ist das aber eine solche Delikatesse, dass man die gewaltige Mineralität fast vergisst, ob der köstlichen Fruchtwolke im Mund. Ein genialer Pinot Noir, wie er nur von Molitor kommen kann.

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Pinot Noir Trarbacher Schlossberg ** 2022