Luigi Pira: Barolo Vignarionda 2022

Luigi Pira: Barolo Vignarionda 2022

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2055
voluminös & kräftig
seidig & aromatisch
tanninreich
Lobenberg: 97/100
Suckling: 96/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Vignarionda 2022

97
/100

Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, die Gärung dauert ungefähr zweieinhalb Wochen an, danach wird der Wein vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Während dieser Zeit sinken alle Schwebeteilchen auf den Boden des Tanks. Vignarionda ist die teuerste und kleinste Lage von Luigi Pira. Es ist die einzige Lage, die er nicht nur im großen Holz, sondern 12 Monate lang auch in französischen Barriques ausbaut. Ein Drittel ist Neuholz (bis vor einigen Jahren noch 100%), der Rest ist in Zweit- und Drittbelegung. Erst anschließend geht der Wein für ein weiteres Jahr ins große, gebrauchte slawonische Holzfass. Fassmuster, der Wein wird im Dezember 2025 abgefüllt. Vibrierend leuchtendes Rubinrot. Im ersten Moment ist die Nase bei meiner Probe im Oktober 2025 dicht und von vibrierend klarer, saftiger Kirsche gezeichnet. Etwas kühles Minzöl, ein Hauch braunes Leder, brauner Tabak, zart rauchige Tonerde, sowie schwebende Vanille und mediterrane Kräuter. Im Mund ist dieser Vignarionda überraschend saftig. Diese monumentale Frucht hält die Tannine im Schwitzkasten. Erst im Nachhall kommt die typische Serralunga Textur zur Geltung. Pflaumen, Trockenpflaumen, Brombeer-Coulis, getrocknete Cranberries und Kirschen in allen Formen und Farben mit einem Hauch Lakritz und getrockneten Kräutern. Klassisch strukturierte Serralunga-Monster-Tannine trocknen in diesem jungen Wein den Mund – er wird mindestens 10 Jahre im Keller benötigen, um sie vollständig zu integrieren. Vignarionda ist der Inbegriff des intensiven Serralunga Terroirs in Kombination mit modernem Holzausbau – der Monster-Truck der Piras.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Barolo Vignarionda

Restrained and austere. On the very floral nose, it shines with wild strawberries, violet candy and peony depth as well as whiffs of blood oranges and red currants. Firm on the medium- to full-bodied palate. Crisp, crunchy and youthful, it deserves time to express its complete potential. Try after 2027.

Mein Winzer

Luigi Pira

Das Weingut Luigi Pira liegt traumhaft schön am Hang eines riesigen Talkessels mitten in Serralunga d’Alba mit vielen der besten Lagen des Barolo.

Barolo Vignarionda 2022