Koehler Ruprecht: Muskateller Kabinett 2023

Koehler Ruprecht: Muskateller Kabinett 2023

Muskateller 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2031
exotisch & aromatisch
leicht & frisch
Lobenberg: 91/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Muskateller Kabinett 2023

91
/100

Muskateller ist eine der ältesten Rebsorten überhaupt von dem es zahlreiche Abwandlungen überall in Europa gibt. Er hat heute zwar nur noch die Rolle eines Underdogs, aber als aromatischer Trinkwein mit toller Würze ist er ein überaus vielseitiger Begleiter gerade zu klassischen deutschen Speisen und auch zur Vesper. Die Handschrift von Koehler-Ruprecht passt eben zu den aromatischen Rebsorten wie Scheurebe oder Muskateller ganz hervorragend, da die Primärfrucht hier nie laut und kitschig ist, sondern immer fein und zurückhaltend elegant. Und genau so ist es auch bei diesem Muskateller aus besten pfälzer Lagen rund um die nördliche Weinstraße. In die Nase steigen zarte Aromen von Litschi, Sternfrucht, frischem Kümmel und natürlich eine schöne Prise Muskat. Aber in diesem Fall nicht laut und durch Reinzuchthefen überaromatisiert, sondern zartfruchtig und mild-aromatisch bleibend. Eine tolle, sortentypische Nase, da ist richtig was los im Glas, ganz ohne Aufdringlichkeit. Mit etwas Luft gesellen sich noch ein paar Wiesenkräuter hinzu. Am Gaumen ist der Muskateller feinfruchtig, aber deutlich trocken und dadurch schön knackig. Keine anbiedernde Süße stört den puristischen Fruchtausdruck. Die Aromen aus der Nase finden sich alle auch im Mund wieder und werden noch von feinen Zitrusfrüchten flankiert. Eine saftige, weiche Säurestruktur und ein aromatischer, fast mineralisch anmutender Ausklang mit bleibendem Fruchtaroma und nachhaltiger Muskatwürze runden den Wein perfekt ab. Ein Zechwein par excellence!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Mein Winzer

Koehler Ruprecht

Das Weingut Koehler-Ruprecht mit Sitz in Kallstadt, etwas nördlich von Bad Dürkheim an der pfälzischen Weinstraße, liegt genau zwischen Mittelhaardt und Nordpfalz. Es ist eines der ältesten und traditionsreichsten Weingüter der Pfalz.

Muskateller Kabinett 2023