Jülg: Weißburgunder vom Kalk Gutswein 2024

Jülg: Weißburgunder vom Kalk Gutswein 2024

VDP

Zum Winzer

Weißburgunder 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2030
fruchtbetont
Lobenberg: 92/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Weißburgunder vom Kalk Gutswein 2024

92
/100

Spontan vergoren, rund 10 Prozent Holz dabei, der Rest im Stahl. Johannes Jülg denkt bei seinen Weißburgundern immer an Chardonnay, er sucht den Spannungsbogen, will keine banalen Fruchtweine. Wunderbar dezente weiße und gelbe Frucht in der Nase, schöne Birne, ein Hauch Augustapfel, ein tolles florales Hintergrundrauschen gespickt mit Kräuteraromen von Kresse und Kerbel. Und immer das Gefühl eines Spaziergangs im Sommerregen an einer Landstraße. Im Mund durchaus mit einer gewissen Kraft ausgestattet. Der erste Eindruck an der Zunge ist grüne Mandarine, dann saftige Birne. Wir haben reife, gelbe Frucht und gleichzeitig eine elegant frische Säure, die für Weißburgunder etwas überraschend daherkommt, aber den Wein ganz famos in der Spur über die Zunge zieht. Im Nachklang legt sich eine feine Salzspur auf die Zunge. In dem Preisbereich eine perfekte Mischung aus trinkiger Leichtigkeit und feinem Tiefgang. Nötigt schon Respekt ab. 92/100

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Jülg

Das Weingut Jülg im südpfälzischen Schweigen-Rechtenbach ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Winzer Johannes Jülg zählt mit seiner absolut eigenständigen und sehr burgundischen Stilistik bereits seit einigen Jahren zur qualitativen Spitze der Pfalz.

Weißburgunder vom Kalk Gutswein 2024