G.D. Vajra: Barolo Coste di Rose 2022

G.D. Vajra: Barolo Coste di Rose 2022

BIO

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2040
strukturiert
seidig & aromatisch
pikant & würzig
Lobenberg: 95/100
Suckling: 96/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Coste di Rose 2022

95
/100

1971 hat man hier auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Damals war das noch revolutionär und erfolgte gegen alle Widerstände der damals massiv agierenden Chemieindustrie. Coste di Rose ist ein kleiner Weinberg auf 320 Metern Höhe zwischen Cannubi und Bussia. Die Reben stehen in Südost-Exposition. Wir haben hier hauptsächlich Sandböden mit ein bisschen Schwemmsand und Lehm. Es sind wirklich sehr sandige Böden und Giuseppe Vajra sagt, ein Spaziergang durch die Lage fühle sich tatsächlich an wie ein Strandspaziergang! Diese sandigen Böden tragen natürlich zur grandiosen Finesse und aromatischen Vielfalt des Coste di Rose bei. Die Trauben wurden am 27. September gelesen und der Wein wurde anschließend 47 Tage lang durch die mit Holzbalken untergedrückte Maische (Capello Submerso) mit den Traubenschalen mazeriert. Dann folgt ein 20-monatiger Ausbau in großen, slawonischen Eichenfässern von 40, 50 und 75 hl Größe. Vibrierend leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist im ersten Moment puristisch – der Wein kommt direkt auf den Punkt! Mit attraktiver und druckvoller Intensität schiebende dunkle Kirsche, Pflaume und auch süßer Erdbeere. Ein opulenter schwerer samtiger Blütenteppich und erfrischende, tiefgehende Blutorange, dezent herbe ätherische Kräuter, ein Hauch Minze, würziger Teer, frisch gedrehte Erde und tief brummende mineralische Noten von Teer und Gesteinsmehl. Seine tiefe Erdigkeit gibt diesem Wein einen burgundischen Touch. Insgesamt hat der Coste di Rose 2022 eine bereits im jungen Stadium »weinige« und anmutig elegante Nase. Im Mund sind die vielen Tannine pudrig und im atemberaubenden Wrestling-Match mit der dicht schiebenden dunklen Frucht von reifer, süßer Brombeere und Schwarzkirsche, 100-prozentiger dunkler Schokolade und noblem Teer. Der Wein hat trotz aller Dichte auch eine Frische im Mund, die eher an ein kühles Klima erinnert und welche die reifen Aromen der dunklen Frucht stramm stehen lässt! Rote Johannisbeeren und Cranberries mit Orangenabrieb und Lakritz. Im Nachhall hallen in Salz eingelegte Kirschblüten und wieder Minze auf der Zunge nach. Sozusagen wie eine schwebende und verspielte Schicht, die auf dieser konzentrierten Frucht liegt. 2022 wird in wenigen Jahren bereits zugänglich sein, aromatisch ist dieser Wein sogar schon bei meiner Probe im Oktober 2025 ein faszinierend zugänglicher Wein, der den Balanceakt schafft zwischen dem reifen Fruchtausdruck des warmen Jahrgangs 2022 und geradliniger Energie. Der Jahrgang präsentiert sich hier nicht so saftig wie 2020 oder 2021, sondern noch definierter! Der Boden in der Lage Coste di Rose besteht hauptsächlich aus Sand, Giuseppe sagt, dass er sogar einem Sandstrand gleicht – dieses Jahr führt das zur griffigen Konzentration des Weins.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Barolo Coste di Rose

Floral, as is typical of this estate, with crunchy red fruit and rose petals. The palate is medium-bodied, with a blanket of delicate, tender fruit defined by chalky, precise yet silky tannins. Drinkable now with proper aeration, but will improve with some bottle age.

Mein Winzer

G.D. Vajra

Zwischen La Morra und Barolo gelegen, sitzt das familiengeführte Weingut Vajra auf den blaugrauen Mergelböden des Tortoniums, die duftige Eleganz und florale Finesse in den Weinen befördern. Der perfekte Ausdruck des Bodens kann aber nur gelingen, wenn die Weinberge darauf eingestimmt sind. Familie...

Barolo Coste di Rose 2022