Gantenbein – DIE Schweizer Ikone schlechthin und sicher das renommierteste Weingut Graubündens. Leider jedes Jahr nur winzige Erntemengen und entsprechend auch ein absoluter Kampf um Zuteilungen. Etwa 20 Prozent der gesamten Ernte wird als Ganztraubenvergärung durchgeführt, wobei die Trauben immer im Rahmen einer Maische von entrappten Beeren mitvergoren werden. Vor der eigentlichen Vergärung wird eine 8 bis 10-tägige Kaltmazeration durchgeführt. Nach der Vergärung wird dann sofort ablaufen gelassen, bzw. extrem sanft gepresst, die Maische soll nach der Vergärung niemals kalt werden, also keine Standzeiten nach der Vergärung, um den Wiedereintritt von Bitterstoffen zu vermeiden. Dunkles Rubinrot mit schwarzen Reflexen. 2022 ist eine absolute Schönheit, pure, seidige Eleganz! Ganz zarte, feinduftige Kirschfrucht. Schwarzkirsche, Veilchen, Heidelbeere, Holunder, Veilchen, erdige Terroirnoten, zartrauchiges Holz. Versammelt, engmaschig, aber nicht fett, einfach super geschliffen. Gantenbeins Pinot erinnert mich immer an einen Bonnes Mares in seiner Ausprägung, blind ist das hier definitiv ganz großes Burgund! Im Mund auch wieder ganz feiner Fruchtausdruck, dezente Extraktsüße von Herzkirsche, konzentrierte Walderdbeere und Himbeere, saftig und dicht, dabei aber auch fokussiert und geradeaus laufend. Vibrierende, kalkige Mineralität, ganz fein polierte Tannine. Florale Akzente. Das ist schon beeindruckend und irgendwo einmalig, die ätherische Frische lässt dieses Kraftpaket so unglaublich schwebend daherkommen. Stilistisch sicherlich eher in der Cotes de Nuits als in der Schweiz, aber mit wesentlich mehr Frische und wesentlich pikanter, eine gewisse gewollte und urwüchsige Burschikosität bleibt. Sehr gelungener Wein. Definitiv Grand Cru Level, einer der besten Pinots außerhalb Frankreichs.