Frank John: Pinot Noir Kalkstein 2022

Frank John: Pinot Noir Kalkstein 2022

BIO

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2047
strukturiert
seidig & aromatisch
Lobenberg: 95/100
Parker: 93–94/100
Galloni: 93/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Kalkstein 2022

95
/100

2022 als recht warmes Jahr, die Pinots dementsprechend schon Ende August gelesen. In dem heißeren Jahr mit größerem Anteil Rappen, etwa 65% ganze Trauben. Ein kleiner Anteil auch mit Maceration Carbonique. Etwa drei Wochen Maischegärung im Holzgärständer, danach für fast zwei Jahre im 500 Liter Tonneau ausgebaut, komplett auf der Vollhefe. Dann im Sommer 2024 unflitriert und nur ganz leicht geschwefelt gefüllt. Im Tonneau hat man ein reduktiveres Milieu, was den reduzierten Einsatz von Schwefel ermöglicht. Was für ein wunderbar feingliederiger Spätburgunder! Die Nase deutlich dunkler als im 21er, deutlich rauchig, auch jodige Anklänge, balsamisch. Das Holz im Hintergrund. Warmer Sandstein, ein Hauch von Unterholz, alles mit burgundischem Anspruch und Affinität. Das wird vor allem im Mund deutlich, hier wird es dann doch etwas verspielter Schlehe, schöne Rappenwürze darunter. Tragendes, vibrierendes, feinziseliertes Säurespiel. Wirklich schwebend fein. Leicht kreidig unterlegte, durchaus kraftvolle Tannine, die definitiv Lagerfähigkeit versprechen, aber den Wein dennoch nicht unnahbar erscheinen lassen. Wirklich ein Wunderwerk. Das Holz nur ganz dezent im Hintergrund, verleiht dem ganzen nur ein feines Gerüst, aber der Wein definiert sich in keiner Weise über das Holz, sondern nur über die pure elegante Frucht. Großer, unheimlich eleganter Pfälzer Pinot, zum dahinschmelzen.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

93–94
/100

Parker über: Pinot Noir Kalkstein

From an extremely hot and dry vintage, the barrel sample of the 2022 Pinot Noir Kalkstein exhibits a beautifully clear, deep, intense and fresh cherry and red berry aroma with fine, spicy/calcareous terroir and smoke notes. It's very delicate and beautifully balanced given that extreme year. Silky, fresh and playful on the palate, this is a very elegant and finessed, pure and saline Pinot with very silky tannins and a tart finish with cherry notes. The wine is seriously tight but adorable for its purity and freshness rather than its complexity. Tasted at the domaine in December 2023. It is to be bottled in spring this year.

93
/100

Galloni über: Pinot Noir Kalkstein

The 2022 Pinot Noir Kalkstein comes from various limestone-dominated sites in the Mittelhaardt. Ripe forest fruits mix with gentle smoke on the nose. The palate has brightness, captured with freshness and a web of fine tannins that seem to hold blackberry juice with an edge of licorice. This is dark but tart, vivid, elegant and so fresh. The beauty here is that the warmth of 2022 is expressed in the aromas of the fruit but not on the palate where freshness shines. (Bone-dry)

Mein Winzer

Frank John

Gerlinde und Frank John erwarben im Jahr 2002 den Hirschhorner Hof, renovierten diesen dann aufwändig und setzten das Fundament für das Familienweingut. Gemeinsam mit den Kindern Dorothea und Sebastian werden hier Weine nach dem Motto „Große Weine alter Schule“ auf die Flasche gebracht. Frank John...

Pinot Noir Kalkstein 2022