Die 0,8 Hektar große Parzelle »Casa Pepe« ist eine der ältesten Lagen des Weinguts, direkt vor dem Kellergebäude. Ab dem Jahrgang 2020 wird eine Selektion der besten Fässer von hier erstmals separat abgefüllt. In perfekter Südexposition scheint hier die sanftere Morgensonne auf die Pergola, in der die Trauben hoch gezogen, über Kopf wachsen. Unter den Reben pflanzt die Familie, so wie es traditionell schon immer in der Gegend getan wurde, auch heute noch Gemüse für ihr fantastisches kleines Restaurant an. Der Boden besteht hier aus blauem Ton und Mergel sowie Kalkstein. Im Gegensatz zur zweiten Einzellage »Branella« ist der Boden auch mit mehr Kies durchzogen. Nach der Handlese werden die Trauben sogar noch von Hand entrappt und dann mit den Füßen im kleinen Holzfass getreten und angequetscht. Natürlich werden sie mit wilden Hefen und ohne Zusätze jeglicher Art vergoren und anschließend zwei Jahre lang in glasbeschichteten Betontanks ausgebaut, bevor sie noch vor dem Sommer 2024 in Flaschen abgefüllt wurden. Ich probiere diesen Wein nach dem »Branella« und er hat im Vergleich eine noch krassere, komprimiertere Tiefe und Intensität. Leuchtendes, mittleres Violett im Glas. Die Nase ist voller tief dunkler Frucht. Brombeere und Zwetschge mit einer leichten Reduktion, die sich zart rauchig darstellt. Nach einer Weile im Glas geht die Schatztruhe voll ätherischer Würze auf. Thymian und 100-prozentige Schokolade, Veilchen, Lavendel-Bonbons, Teer, Rauch. Die beinahe granitartige Mineralität entwickelt sich nach und nach in Eisen und fleischige Aromen, lila Blüten. Dunkle Kirschen und Brombeeren im Mund. Dieser Wein ist ultra jung und legt sich im Moment mit zartbitterer Schokolade und Noten von gebrannter Erde sowie einer Menge feiner, kreidiger Tannine auf die Zunge. Was für eine fabelhafte Finesse und Vielschichtigkeit, die mit dieser enormen Tiefe gepaart ist. Bei jedem Riechen und bei jedem Schluck überrascht er aufs Neue! Neben dem zuvor probierten Branella ist der Casa Pepe bei meiner Probe im November 2025 noch relativ kompakt und verschlossen. Während Branella schon offenherzig zugänglich ist, braucht dieser Casa Pepe in seiner monumentalen Struktur und der dichten Kräuter-Aromatik noch ein paar Jahre im Keller. Falls er jung getrunken wird, dann am besten ein paar Stunden vorher öffnen. Das Weingut legt seit jeher einen Teil seiner Weine für den späteren Release zur Seite, das Reifepotenzial ist also bewiesen und es wird sich auch für diesen Wein ganz ohne Frage auszahlen, ihm ein paar Jahre im Keller zu gönnen. Einzigartiger Stoff. 2022 ist ob seiner Power und Konzentration großer Stoff, während Branella der verspieltere Finessewein ist!